Blutzucker-Kontrolle | Neuro-Depesche 3/2017

So wirksam sind medikamentöse und nicht-medikamentöse Interventionen

Zertifizierte Fortbildung

Patienten mit einer Schizophrenie und anderen ernsten psychiatrischen Störungen haben eine um 15 bis 20 Jahre verkürzte Lebenserwartung, die sich zumindest teilweise auf das erhöhte Diabetes-Risiko zurückführen lässt. Ob bzw. inwieweit medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen die Diabetes-relevante Blutzucker-Kontrolle verbessern können, prüften britische Ärzte jetzt in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse.

Identifiziert wurden 54 geeignete randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) an zusammen 4392 Erwachsenen. In 40 Studien waren medikamentöse und in 13 Verhaltensinterventionen (Diätberatung, körperliche Fitness, Gewicht sredukt ion etc.) untersucht worden, in einer Studie beide kombiniert. 48 RCT mit insgesamt 4052 Teilnehmern (2315 in den Interventions- und 2077 in den Kontrollgruppen) ließen sich metaanalytisch auswerten. Primärparameter waren die Veränderungen der Nüchternblutzucker (NBZ)-Werte und der Anteile an glykosyliertem Hämoglobin (HbA1c).
Gegenüber der Standardbehandlung bzw. Placebo senkten beide Interventionen die NBZ-Spiegel signifikant: Unter einer medikamentösen Behandlung (n = 2536) verringerten sich die Werte um durchschnittlich 0,11 mmol/l (95%-KI: -0,19 bis -0,02; p = 0,02) und unter einer Verhaltensintervention (n = 956) sogar um 0,28 mmol/l (95%-KI: -0,43 bis -0,12; p < 0,001).
Im Gegensatz dazu fiel die Verbesserung der HbA1c-Konzentrationen nicht signifikant aus: Unter einer medikamentösen Therapie (n = 1515) sanken die Werte nur um durchschnittlich 0,03% (95%-KI: -0,12 bis 0,06; p = 0,52) und unter einer Verhaltensintervention (n = 140) auch nur um 0,18% (95%-KI: -0,07 bis 0,42; p < 0,16).
Subgruppenanalysen zeigen allerdings, dass die Therapie mit Metformin und metabolisch bedingte Antipsychotika- Umstellungen wirksam waren und auch die HbA1c-Werte stärker senkten. Verhaltensinterventionen mit einer längeren Dauer (≥ 6 Monate) und solche, die wiederholte körperliche Aktivierungen umfassten, hatten auf den NBZ einen größeren therapeutischen Effekt als kürzere Interventionen und solche ohne diese körperliche Komponente. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Trotz begrenzter Evidenz bei großer Heterogenität der analysierten Studien, spricht diese Auswertung dafür, dass Verhaltensinterventionen, Antipsychotika-Umstellungsstrategien und die Metformin-Gabe bei Erwachsenen mit schweren psychiatrischen Erkrankungen zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Blutzuckerkontrolle führen. Auch wenn die Effektgrößen eher bescheiden ausfallen, könnten diese Maßnahmen zur Diabetes-Prävention beitragen.

Quelle:

Taylor J et al.: The effectiveness of pharmacological and non-pharmacological interventions for improving glycaemic control in adults with severe mental illness: a systematic review and meta-analysis. PLoS One 2017; 12(1): e0168549. [Epub 5. Jan.; doi: 10.1371/ journal.pone.0168549]

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