Zucker, Computer, Schlaf | Neuro-Depesche 6/2016

Sind Lifestyle-Faktoren ADHS-relevant?

Inwieweit ist eine ADHS auch von den Lebensgewohnheiten der Kinder abhängig? In einer US-Studie wurde jetzt geprüft, ob Zucker- und Fernsehkonsum, Internetnutzung, Schlaf und andere Lifestyle-Faktoren bei Kindern mit einer ADHS häufiger sind.

Die Eltern von 184 Kindern mit ADHS im Alter von sieben bis elf Jahren und von 104 psychisch gesunden Kindern gleichen Alters wurden zu den Lebensgewohnheiten des Nachwuchses befragt. Die ADHS war meist vom kombinierten Typ (71%), gefolgt vom Unaufmerksamkeitstyp (25%) und dem Hyperaktivitäts-/ Impulsivitätstyp (4%).
Das von den Eltern ausgefüllte Questionnaire Lifestyle Behavior Assessment mit 35 Items umfasste sieben Kategorien: die tägliche Flüssigkeitsaufnahme, den Konsum von Softdrinks (hoher Zuckergehalt), die Einnahme von Multivitaminen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln sowie die tägliche mit Lesen oder vor dem Bildschirm (Fernsehen, Computer inkl. Online- Gaming) verbrachte Zeit, die körperliche Aktivität und das Schlafverhalten der Kinder. Aus diesen Domänen wurden ein Lifestyle- Index gebildet (Score 0–7; höherer Score = gesünderes Verhalten).
Die ADHS-Kinder konsumierten deutlich mehr Softdrinks, lasen weniger, verbrachten häufiger ≥ 2 h vor dem Bildschirm (48% vs. 35%; p = 0,02) und waren eine geringere Stundenzahl pro Woche körperlich aktiv. Ihre Eltern berichteten mit 45% vs. 9% signifikant häufiger von (Einschlaf)schwierigkeiten (p < 0,0001), selbst in der Untergruppe der derzeit nicht mit Stimulanzien behandelten Kinder (33% vs. 9%; p < 0,0001). Nahrungsergänzungsmittel wurden dagegen häufiger eingenommen (z. B. Omega-3-Fettsäuren: 23% vs. 11%; p < 0,01). Viele der einzelnen Domänen waren miteinander signifikant korreliert.
Insgesamt wies die Gruppe der ADHS-Kinder eine um fast das Doppelte erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen ungesünderen Lebensstil auf als die Vergleichsgruppe: Nach der Kontrolle der Daten auf eine Vielzahl möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, IQ, ADHS-Medikamente, Haushaltseinkommen und vier komorbide psychiatrische Krankheiten betrug die Odds Ratio 1,95 (95%-KI: 1,16–3,30; p = 0,01). JL

Kommentar

Kinder mit ADHS leben deutlich ungesünder als jene ohne ADHS. Auch wenn die Kausalität unklar ist: Nach diesem robusten Ergebnis mutmaßen die Autoren, dass primäroder sekundär-präventive Lifestyle-Interventionen die ADHS-Symptomatik verringern könnten. Dies bliebe natürlich zu prüfen.


Quelle:

Holton KF, Nigg JT: The association of lifestyle factors and ADHD in children. J Atten Disord 2016: pii: 1087054716646452 [Epub: 28. Apr.]

ICD-Codes: F90.0

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