Biomarker für Morbus Alzheimer | Neuro-Depesche 1/2009

Sind Amyloid-Plasmaspiegel prädiktiv?

Haben Amyloid-Plasmakonzentrationen einen Wert für die Beurteilung des Risikos kognitiv Gesunder, eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Mild cognitive impairment, MCI) oder eine Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) zu entwickeln?

Bei mindestens 75-jährigen Wienern wurden prospektiv die Langzeitveränderungen von Amyloid beta (Aβ42) und Homocys­tein im Plasma sowie eine Atrophie des medialen Temporallappens (MTA) dokumentiert. 606 Teilnehmer waren auswertbar.

Die initialen MTA-Befunde waren ein Prädiktor dafür, wer 2,5 Jahre später noch kog­nitiv unbeeinträchtigt oder an einer DAT erkrankt war. Die Höhe der initialen Aβ42-Plasmawerte prädizierte dies nicht. Im Beobach­tungszeitraum ansteigende Aβ42-Spiegel unterschieden sich zwischen kognitiv unauffällig Bleibenden und Personen mit Übergang zu MCI oder DAT signifikant. Bei vergleichbar hohen Aβ42-Spiegel-Anstiegen in diesen beiden Gruppen wurden bei Personen mit Konversion zur DAT höhere Homocystein-Plasmawerte festgestellt als bei den MCI-Konvertiten und den weiterhin kog­­nitiv Gesunden. Interessanterweise wur- den in allen kognitiven Subgruppen bei jenen Personen, die von einer MCI zu Baseline zu einer DAT fortschritten, die gerings­ten Aβ42-Anstiege und kaum eine Zunahme der Homocystein-Konzentrationen festgestellt.

Der logistischen Regressionsanalyse zufolge waren ansteigende Aβ42-Plasmaspiegel (nicht aber die MTA-Veränderungen) sig­nifikante Prädiktoren für die Konversion von kognitiver Gesundheit zur MCI. Veränderungen der MTA- und Homocystein-Werte (nicht aber die Aβ42-Werte) prädizierten dagegen die Konversion von kognitiver Gesundheit zur DAT. Der prädiktive Nutzen steigender Aβ42-Spiegel für die Entstehung einer MCI oder DAT war mit einer Spezifität von 63% und einer Sensitivität von 60% (MCI) bzw. 54% (DAT) sehr begrenzt. EJW

?! Die Zusammenhänge sind offenbar komplex: Früh steigende Aβ42-Spiegel gaben hier keine verlässlichen Hinweise auf eine drohende DAT. Für den Übergang von der MCI zur DAT scheint eher die Akkumulation toxischer Metabolite wie Homocystein eine Rolle zu spielen.
Quelle: Blasko, I: Conversion from cognitive health to mild cognitive impairment and Alzheimer's disease: prediction by plasma amyloid beta 42, medial temporal lobe atrophy and homocysteine, Zeitschrift: NEUROBIOLOGY OF AGING, Ausgabe 29 (2008), Seiten: 1-11

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