Krebs durch Alkohol | Neuro-Depesche 9/2016

Sieben Malignom-Arten sind bei erhöhtem Konsum deutlich häufiger

Neben den eigentlichen Suchtfolgen geht übermäßiger Alkoholkonsum auch mit einer Vielzahl von Begleiterkrankungen einher, die zu der erhöhten Mortalität beitragen. Die Höhe des Konsums spielt dabei eine wesentliche Rolle. In einer Übersichtsarbeit beleuchtete ein Schweizer Experte die Zusammenhänge mit Krebserkrankungen. Danach sind die Risiken für einige maligne Neubildungen um den Faktor 4 bis 7 erhöht.

Die ursächliche Rolle von Alkohol in der Krebsentstehung ist seit langem bekannt. Jetzt wurde eine Zusammenschau der Daten verschiedener Register (World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research, International Agency for Research on Cancer, Global Burden of Disease Alcohol Group) und jüngerer großer Metaanalysen durchgeführt.
Die Übersicht legt eine dosisabhängige – lineare oder exponentielle – Assoziation ohne unteren Grenzwert in der Verursachung von Krebserkrankungen in sieben verschiedenen Organen nahe: Besonders stark ist die Relation zum Alkohol bei malignen Neubildungen in Mund, Pharynx, Larynx und Ösophagus. Hier ist das relative Risiko bei einem Konsum ≥ 50 g/d (gegenüber Nicht-Trinkern) um den Faktor 4 bis 7 erhöht. Zudem kommt es hier offenbar zu einer Multiplizierung des Risikos, wenn gleichzeitig geraucht wird. Weniger eng scheint der Zusammenhang bei Krebserkrankungen von Leber, Kolon, Rektum und der weiblichen Brust mit einer Erhöhung des relativen Risikos um einen Faktor von 1,5 zu sein.
Die Art des konsumierten Alkohols (und wohl auch der Trinktypus, z. B. Binge drinking) spielt dabei offenbar keine wesentliche Rolle. Die Autoren betonen, dass es für den Zusammenhang keine untere Grenze des Alkoholkonsums gibt.
Es bestehen ferner Hinweise darauf, dass die erhöhten Risiken für Larynx-, Pharynx- und Leberkrebs bei anhaltendem Konsumverzicht reversibel sind. Bei einer jährlichen Abnahme des Exzessrisikos um gewisse Prozentsätze wird allerdings erst nach 20 bis 30 Jahren das Krebsrisiko von Nicht-Trinkern erreicht. JL

Kommentar

Ohne dass die biologischen Mechanismen vollständig verstanden wären, belegt diese Übersicht der epidemiologischen Daten bei erhöhtem Alkoholkonsum eindeutig eine erhöhte Inzidenz von Oropharynx, Larynx, Ösophagus, Leber, Kolon, Rektum und der Brust. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa 5,8% aller Krebstode bei diesen Formen dem Alkohol zuzuschreiben sind. Und andere Organe dürften wahrscheinlich ebenfalls betroffen sein. Die Daten verdeutlichen die enorme – individuelle und gesellschaftliche – Bedeutung der Alkoholproblematik.

Quelle:

Connor J: Alcohol consumption as a cause of cancer. Addiction 2016; [Epub 21. Juli; doi:

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