Komplexproteinfreies IncobotulinumtoxinA

Neuro-Depesche 3/2021

Sialorrhoe Erwachsener effektiv und anhaltend gelindert

Bis zu 80% der Parkinson-Patienten leiden unter einem unkontrollierten Speichelfluss („Drooling“), der sie psychisch stark belastet. In allen Fällen, in den keine schwere Dysphagie vorliegt, lässt sich die chronische Sialorrhoe mit IncobotulinumtoxinA, dem einzigen Komplexprotein-freie Botulinum Neurotoxin A (BoNT A) wirksam verringern, so Parkinson-Experten auf einem Online-Symposium von Merz Pharmaceuticals beim „Highlights Digital 2021“ der DPG.
Wie Prof. Carsten Buhmann, Hamburg, ausführte, ist der Leidensdruck durch die unangenehme und stigmatisierende chronische Sialorrhoe bei Parkinson-Patienten sehr hoch und ihre Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigt. Als klinische Folgen können u.a. Mundwinkel-Rhagaden, Mundgeruch und auch Aspirationspneumonien auftreten, Letztere mit 20% eine häufige Todesursache beim Morbus Parkinson.
 
Psychisch stark belastend
Dessen ungeachtet muss die chronische Sialorrhoe – schon in frühen Krankheitsstadien auftretend und im fortgeschrittenen Stadium unter den drei am häufigsten genannten Beschwerden – als unterdiagnostiziert und unterbehandelt gelten, so Buhmann. In einer Patientenumfrage litten 58% der befragten Parkinson-Kranken unter einer Sialorrhoe, 80% wurden dagegen nicht ärztlich behandelt, mehr als 50% vermieden Gespräche, bei denen sie ihren Gesprächspartnern zu nahe kommen könnten, 48% fühlen sich in ihren Alltagsaktivitäten wie Einkaufen etc. beeinträchtigt und 33% mieden diverse Freizeitaktivitäten.
 
Willkürlicher Schluckvorgang beeinträchtigt
Das Schlucken gliedert sich in drei Phasen. Bei Parkinson-Patienten ist meist (und gehäuft bei den kognitiv Beeinträchtigten unter ihnen) die orale willkürliche Phase betroffen und seltener die unwillkürliche pharyngeale bzw. ösophageale Phase. Die bei relativ wenigen Patienten vorliegende schwere Dysphagie – eine relative Kontraindikation für IncobotulinumtoxinA - kann durch die fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES) als diagnostischer Goldstandard ggf. ausgeschlossen werden.
Laut aktueller Leitlinie Hypersalivation gilt die funktionelle Schlucktherapie (Training durch Logopäden, Ergotherapeuten etc.) als Basisbehandlung, doch deren Effekte halten nicht lang an, so Buhmann. Bei Parkinson-Patienten ist in aller Regel eine medikamentöse Intervention notwendig, u.a. mit Anticholinergika wie Glycopyrrolat. Als eine effektive und sichere Option zur andauernden Speichelreduktion in einem breiten Alters- und Krankheitsspektrum hat sich – nach Optimierung der dopaminergen Therapie - die Injektion von BoNT A in die Speicheldrüsen bewährt, sagte Buhmann. Die cholinerge neuroglanduläre Signalübertragung wird „sehr lokal“ und reversibel gehemmt.
 
IncobotulinumtoxinA in SIAXI
In der Studie SIAXI (n = 184) erfolgte eine Injektion von IncobotulinumtoxinA (75 U oder 100 U) in die Gl. parotis und submandibularis beidseits. In der 16-wöchigen Doppelblindphase wurde unter 100 U gegenüber Placebo eine signifikante Reduktion des unstimulierten Speichelflusses erreicht. Häufigste Nebenwirkung war Mundtrockenheit (2,7%).
In der verblindeten Studienverlängerung erwies sich dieser Effekt über 4. Injektionszyklen (also über insgesamt 64 Wochen) als anhaltend. Es wurde dabei ein physiologische Niveau des Speichelflusses erreicht, so Buhmann. Als einziges BoNT-Präparat ist IncobotulinumtoxinA seit 2019 zur Behandlung der chronischen Sialorrhoe aufgrund neurologischer Erkrankungen bei erwachsenen Patienten zugelassen.* JL >

 

* Xeomin® ist aktuell zur symptomatischen Behandlung von Blepharospasmus und Spasmus hemifacialis, zervikaler Dystonie mit überwiegend rotatorischer Komponente (Torticollis spas-modicus), Spastik der oberen Extremitäten und chronischer Sialorrhoe aufgrund neurologischer Erkrankungen bei Erwachsenen zugelassen.
Quelle: Industriesymposium: „Botulinum Neurotoxin Typ A frei von Komplexproteinen zur Behandlung von Bewegungsstörungen und Sialorrhoe“, 05.03.2021, DPG Virtuell „Highlights Digital“ 2021. 
ICD-Codes: K11.7 , G20
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