Neuro-Depesche 5/2000

Beobachtungsstudie in Deutschland

Sexuelle Störungen verringert

Die meisten Patienten mit depressiven Störungen haben Probleme im Bereich der Sexualität, die durch viele antidepressive Medikamente noch verstärkt werden. Nun wurden die Auswirkungen des MAO-A-Hemmers Moclobemid auf sexuelle Funktionsstörungen untersucht.

Mehr als 60% der 4.333 depressiven Patienten einer Beobachtungsstudie klagten zu Beginn der Behandlung über irgendeine Form von sexueller Dysfunktion, vorwiegend über Abnahme der Libido. Die Ausprägung korrelierte in der Regel mit der Schwere der Depression. Nach vier- bis achtwöchiger Behandlung mit Moclobemid hatte der Anteil an Patienten mit Libidostörungen von ca. 63% auf 42% abgenommen. Erektile Dysfunktionen gingen bei den Männern von 59% auf 40% zurück, Einschränkungen der Orgasmusfähigkeit nahmen von 47% auf 32% der Patienten ab. Gleichzeitig kam es in der Schwere der sexuellen Symptome - mit Skalenwerten von 2,98 (3 = mittelschwer) und 2,1 (2 = leicht) - zu einem deutlich Rückgang. Der Anteil von Patienten, die sich dabei um eine Rating-Stufe verbesserten, betrug zwischen 55% und 59%. Die sexuellen Funktionen besserten sich parallel zur antidepressiven Wirkung von Moclobemid. Eine Verschlechterung bestehender sexueller Symptome während der Behandlung war dagegen sehr selten: Nur bei 1,8% der Patienten nahm die Libido und bei 1% die Orgasmusfähigkeit weiter ab. Zur Erstmanifestation einer sexuellen Dysfunktion kam es nach Patientenangaben in 1,7 bis 2,8% der Fälle. Eine sexuelle Funktionsstörung als dezidierte Nebenwirkung von Moclobemid wurde noch seltener, nämlich nur in drei Fällen (0,07%) festgestellt.


Quelle: Philipp, M: Assessment of sexual dysfunction in depressed patients and reporting attitudes in routine daily practice: Results of the postmar, Zeitschrift: INTERNATIONAL JOURNAL OF PSYCHIATRY IN CLINICAL PRACTICE, Ausgabe 3 (1999), Seiten: 257-264


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