Neurofilament light chain (NfL) | Neuro-Depesche 1-2/2019

Serumwerte korrelieren mit MRT-Befunden über zehn Jahre

NfL gilt als neuronaler Degenerationsmarker, ist bei verschiedenen neurodegenerativen Krankheiten im Liquor und Serum vermehrt nachweisbar und scheint bei der MS kurzzeitig mit der Krankheitsaktivität zu korrelieren. Ein internationales Team suchte nun nach Zusammenhängen zwischen initialen NfL-Serumwerten und den Veränderungen verschiedener MRT-Parameter einschließlich der Hirnatrophie über zehn Jahre.

Bei 122 MS-Patienten, die an der Brigham and Women's Hospital (CLIMB)-Studie teilnahmen, wurden innerhalb der ersten fünf Krankheitsjahre und danach jährlich die NfL-Serumkonzentrationen mittels Einzelmolekülarray (SIMOA)-Assays bestimmt, für das eine gute Übereinstimmung von Liquor- und Serumwerten bekannt ist. Dazu in Beziehung gesetzt wurden klinische Verlaufsparameter und die in Jahr 10 anhand der 3-Tesla-MRT-Scans automatisiert quantifizierten Hirnvolumina der hyperintensiven T2-Läsionen (T2LV) und die Hirnatrophie (Brain Parenchymal Fraction, BPF).
Im primären Endpunkt, der Korrelation zwischen NfL-Serumwerten und der Behinderungsprogression (nach EDSS) ergab sich (mit Ausnahme von Jahr 2) keine Signifikanz – möglicherweise weil nur eine Minderheit der Patienten (11 %) einen EDSS ≥ 3 aufwies.
Die lineare Regressionsanalysen der durchschnittlichen NfL-Werte in Jahr 1 - 5 zeigten mehrfache Assoziationen mit dem T2LV (p < 0,01). Anhand des durchschnittlichen NfL-Jahresniveaus konnten 16 % der T2LV-Varianz vorhergesagt werden. Die NfL-Serumwerte in Jahr 1 - 5 waren ferner in der multivariaten, auf Geschlecht, Alter und Krankheitsdauer angepassten Analyse signifikant negativ mit dem BPF-Wert in Jahr 10 korreliert (p < 0,01): Eine Zunahme um 10 pg/ml entsprach einer mittleren Reduktion des BPF um 0,920 % (p < 0,01). NfL erklärte 15 % der BPF-Varianz. Die stärksten Assoziationen mit T2LV und BPF hatten die NfL-Werte im ersten Jahr.
Außerdem ergaben sich signifikante Zusammenhänge der durchschnittlichen jährlichen NfL-Werte mit Verschlechterungen der Fatigue (nach Modified Fatigue Impact Scale, MFIS) im zehnten Jahr. Keine signifikanten Relationen zeigten sich dagegen mit der Mobilität (im Timed 25-Foot Walk-Test, T25FW) oder kognitiven Veränderungen (im Symbol Digit Modalities Test, SDMT) in Jahr 10. HL

Kommentar

Die Neurofilament-Leichtkette (NfL) ist ein Element des Zytoskeletts von Neuronen und wichtig für axonales Wachstum, Stabilität und intrazellulären Transport. Dass die gerade in den ersten Jahren nach Erkrankungsbeginn bei MS-Patienten bestimmten Serum-NfL-Werte die T2-Läsionen und die Hirnatrophie am besten prädizierten, weist darauf hin, dass ein frühzeitiger Axonschaden die Langzeit-MRT-Ergebnisse am stärksten beeinflusst - und dass die Therapie möglichst früh erfolgen sollte.

Quelle:

Chitnis T et al.: Neurofilament light chain serum levels correlate with 10-year MRI outcomes in multiple sclerosis. Ann Clin Transl Neurol 2018; 5(12): 1478-91

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