Leichte Alzheimer-Demenz

Neuro-Depesche 5/2016

Senkt moderater Alkoholkonsum die Mortalität?

Zertifizierte Fortbildung

Ein moderater(!) Alkoholkonsum scheint generell lebensverlängernd zu sein, doch gilt dies auch für Demenzkranke? Eine dänische Forschergruppe untersuchte nun in einer prospektiven Kohortenstudie bei Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz den Zusammenhang zwischen konsumierter Alkoholmenge und der Sterblichkeit über drei Jahre.

Post hoc ausgewertet wurden dazu die Daten der Danish Alzheimer's Intervention Study (DAISY), in der kontrolliert die Wirksamkeit psychosozialer Interventionen geprüft worden war. Bei den 321 Patienten war eine Alzheimer-Demenz erst im letzten Jahr diagnostiziert worden, dem entsprechend betrug der Wert des Mini- Mental State Tests ≥ 20 Punkte. Im Nachbeobachtungszeitraum von 36 Monaten starben 53 Patienten (16,5%).
Unter den 321 Studienteilnehmern mit einem durchschnittlichen MMST von ca. 24 Punkten waren nach Angaben der Angehörigen 8% abstinent, 71% tranken nur gelegentlich Alkohol (≤ 1 Einheit/Tag), 17% hatten einen leichten Konsum von 2–3 und 4% einen stärkeren von > 3 Einheiten/Tag. Eine dänische Einheit beträgt 12 g/15 ml reinen Alkohol.
Adjustiert auf eine ganze Reihe an möglichen Einflussfaktoren (z. B. Geschlecht, Rauchen, Komorbidität, Ehestatus, Lebensqualität) wurde bei den Patienten mit leichtem Alkoholkonsum über die 36 Monate eine signifikant verringerte Mortalität festgestellt: Bei 2–3 versus ≤ 1 Einheiten/ Tag als Referenz betrug die Hazard Ratio 0,23 (95%-KI: 0,08–0,69; p = 0,0076). In den Gruppen mit Abstinenz oder stärkerem Konsum war die Sterblichkeit gegenüber jenen mit gelegentlichem Konsum jedoch nicht signifikant unterschiedlich (HR: 0,81; 95%-KI: 0,28–2,35; p = 0,70 bzw. HR: 1,51; 95%-KI: 0,43–5,30; p = 0,52).
Den Subgruppenanalysen zufolge hatte keiner der möglicherweise relevanten demographischen oder klinischen Variablen auf diese Zusammenhänge einen maßgeblichen Einfluss. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Diese Studie bestätigt die Erkenntnislage zum moderaten Alkoholkonsum erstmals bei Demenzkranken: Auch bei leicht dementen Menschen scheint das eine oder andere Glas nicht zu schaden, sondern eher die Sterblichkeit zu reduzieren. Andere Untersuchungen hatten ergeben, dass ein moderater Konsum a) eine Demenz nicht verschlimmert und b) Nicht-Demente sogar vor kognitivem Abbau bzw. einer Alzheimer-Demenz schützt. Dass ein starker Konsum die Mortalität dieser Teilnehmer hier nicht signifikant erhöhte, schreiben die Autoren vor allem der kleinen Gruppengröße (4%) zu.

Quelle:

Bentsen S et al.: Alcohol consumption and mortality in patients with mild Alzheimer's disease: a prospective cohort study. BMJ Open 2015; 5(12): e007851 [Epub 11. Dez.; doi: 10.1136/bmjopen- 2015-007851]

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x