Immunglobuline bei CIDP | Neuro-Depesche 11-12/2019

SCIg-Formulierung erleichtert die Therapie

Intravenöse verabreichte Immunglobuline (IVIg) sind bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) als Akut- und Erhaltungstherapie etabliert. Seit März 2018 können CIDP-Patienten zur Erhaltungstherapie das subkutan (s.c.) applizierbare Immunglobulin (SCIg) IgPro20 zur Heimselbsttherapie anwenden. Über die Studienlage und die Therapiepraxis berichteten Experten auf einem Fachpressegespräch von CSL-Behring im Umfeld des 92. DGN-Kongresses in Stuttgart.
Die CIDP tritt in jedem Alter auf, Männer erkranken häufiger. Die zugrundeliegenden Autoimmunprozesse schädigen die Myelinschicht der peripheren Nerven und verursachen - kontinuierlich oder stufenweise (über acht Wochen) oder schubartig auftretend - Verschlechterungen der Muskelschwächen der Extremitäten, erläuterte Prof. Jens Schmidt, Göttingen.
Während IVIg alle 3-4 Wochen in einer Dosis von 1g/kg Körpergewicht ambulant oder stationär im Therapiezentrum i.v. infundiert wird, erfolgt die Gabe von SCIg zuhause, i.d.R. 1x pro Woche. Dabei sorgt die s.c.-Gabe gegenüber der i.v.-Applikation für gleichmäßigere IgG-Spiegel, so Schmidt in Stuttgart. Sie ist – mit Ausnahme lokaler Hautreaktionen an der Injektionsstelle – generell nebenwirkungsärmer.
Die Wirksamkeit und Sicherheit von IgPro20 wurden in der PATH-Studie geprüft – mit 172 Patienten an 69 Studienzentren und insgesamt 5.722 s.c. Infusionen bislang die weltweit größte CIDP-Studie, betonte Schmidt. Erwachsene CIDP-Patienten, die auf IVIg gut eingestellt waren, erhielten nach IVIg-Entzug und IVIg-Restabilisierung randomisiert IgPro20 (57 Pat. 1 x wöchentlich 0,2 g/kg und 58 Pat. 0,4 g/kg KG) oder Placebo (57 Pat.).
Im primären Endpunkt, dem prozentualen Anteil von Patienten mit Verschlechterung des adjustierten Inflammatory Neuropathy Cause and Treatment (INCAT)-Scores um ≥ 1 Punkt oder Ausscheiden aus der Studie, waren beide SCIg-Dosierungen Placebo überlegen. So verringerte IgPro20 hochsignifikant den Anteil der Patienten, die eine Verschlechterung im INCAT-Score erfuhren: Die absolute Risikoreduktion vs. Placebo betrug in der 0,4 bzw. 0,2 g/kg KG-Dosisgruppe 30% bzw. 25%. Schubfrei blieben 44% unter Placebo gegenüber 81% unter 0,4 bzw. 67% unter 0,2 g/kg/KG IgPro20.
Wie Prof. Martin Stangel, Hannover, ergänzte, geht die Heimselbsttherapie mit vielen Vorteilen einher, wie keine Krankenhausaufenthalte, weniger Fehlzeiten im Beruf, Therapiemöglichkeit auch auf Reisen. keine Wirkungsschwankungen und weniger Nebenwirkungen. Zusammen mit der größeren Flexibilität und Selbstbestimmtheit der Patienten resultiert daraus in der Regel eine höhere Lebensqualität. Lediglich bei ängstlichen Patienten, solchen mit Spritzenphobie oder schlechten manuellen Fähigkeiten sollte der Einsatz abgewogen werden.
Die Umstellung von IVIg auf SCIg sollten eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient auf der Grundlage medizinischer und psychosozialer Kriterien sein, erläuterte Prof. Prof. Min-Suk Yoon, Hattingen. Zur Nachsorge sollten Patienten im ersten Vierteljahr nach der Umstellung – auch bei komplikationslosem Verlauf – einmal monatlich einbestellt werden, danach lediglich alle 3 bis 6 Monate.
Die Therapie mit Immunglobulinen läuft i.d.R. lebenslang, nur etwa 20% können sie irgendwann einmal beenden, sagte Stangel. Er berichtete, dass unter Immunglobulinen „eine Remyelinisierung im peripheren Nervensystem“ stattfinden kann. Diese hat sich (unter IVIg) mit verschwindenden Leitungsblöcken im EMG sogar belegen lassen. NM
Quelle: Fachpressegespräch: „CIDP-Management – Flexibel und individuell mit Hizentra®, dem ersten subkutanen Immunglobulin“ 27. 09. 2019 anlässlich des 92. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Stuttgart. 

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