Systematische Studienauswertung

Neuro-Depesche 5-6/2021

Schlafen Frühchen später schlechter?

Eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche wird mit einer Reihe nachteiliger neurologischer Outcomes in Verbindung gebracht. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde nun unter die Lupe genommen, ob zwischen Frühgeburtlichkeit und der Schlafqualität von Kindern im schulpflichtigen Alter ein Zusammenhang besteht.
Von 347 identifizierten Studien wurden neun Kohortenstudien mit Teilnehmern im 5. bis 19. Lebensjahr ausgewertet. Verglichen wurden diverse Schlafparameter und die Schlafqualität zwischen 743 Frühchen (< 37. SSW) und 1.081 termingerechten Kindern. Dazu dienten sehr unterschiedlicher Methoden wie subjektive (elterliche) Angaben, Schlaftagebücher, Polysomographie, Aktigraphie etc.
Sieben der neun Studien ergaben signifikante Unterschiede: Im Allgemeinen war die Frühgeburtlichkeit mit früheren Einschlafzeiten verbunden als bei den termingerecht geborenen Gleichaltrigen. Insbesondere fand sich ein häufigeres nächtliches Erwachen und ein höherer Anteil an NREM-Schlaf (Stadium 2), die eine geringere Schlafqualität bedingten. Einschlaflatenz, Gesamtschlafdauer und Schlafeffizienz unterschieden sich zumeist aber nicht signifikant.
In mehreren Studien wurden die Frühgeborenen als „Lärchen“ charakterisiert – und dieser Phänotyp blieb über die Spanne von Kindheit und Jugend erhalten, statt sich altersgemäß zu verändern. HL
Kommentar
Die Auswertung dieser sehr heterogenen Studien ergab, dass sich die Frühgeburtlichkeit anhaltend negativ auf den Schlaf im schulpflichtigen Alter auswirkt. Die zugrunde liegenden Mechanismen sollten besser erforscht werden, um die Entwicklung von Verhalten und Intellekt dieser gefährdeten Kinder zu fördern.
Quelle: Visser SSM et al.: The relationship between preterm birth and sleep in children at school age: A systematic review. Sleep Med Rev 2021; 57 [Epub 26. Jan.; doi: 10.1016/j.smrv.2021.101447]
ICD-Codes: G47.9

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