Zahnuntersuchung zur frühkindlichen Metall-Exposition | Neuro-Depesche 7-8/2016

Schizophrenie-Risiko als Erwachsene erhöht?

Obwohl Hinweise vorliegen, dass die prä- und postnatale Exposition gegenüber bestimmten Metallen die Entwicklung des Nervensystems beeinträchtigt und das Risiko für eine spätere Schizophrenie/Psychose erhöht, konnten die Langzeiteffekte bislang noch nicht entschlüsselt werden. Dies versuchte jetzt ein internationales Forscherteam erstmals anhand ungewöhnlicher Biomarker, den Metallkonzentrationen in der Zahnmatrix.

Die Wissenschaftler prüften in dieser Proof-ofconcept- Studie, ob und inwieweit eine Exposition mit notwendigen oder neurotoxischen Metallen während der kritischen Phasen der ZNS-Entwicklung in der Zahnsubstanz nachweisbar ist und ob sie mit der Diagnose einer Schizophrenie/ Psychose im Erwachsenenalter in Zusammenhang steht. Dazu wurden die während der Kindheit natürlich ausgefallenen Milchzähne von neun seit durchschnittlich 3,8 Jahren erkrankten Schizophrenie-Patienten und fünf gesunden Kontrollpersonen auf die Einlagerungen von Blei, Mangan, Cadmium, Kupfer, Magnesium und Zink analysiert. Zeitpunkt und Ausmaß der Exposition wurden mithilfe der hochkomplexen und ultrasensiblen LA-ICP-MS (Laser ablation inductively-coupled plasma mass spectrometry) bestimmt. Psychiatrische Krankheiten wurden mit dem Fragebogen Community Assessment of Psychic Experiences (CAPE) erfasst, der 42 Items zu den drei Dimensionen positive, negative und depressive Symptome enthält.
Die Forscher fanden in den Milchzähnen der Patienten eine höhere Bleiexpostion in der frühen Lebensphase als bei den gesunden Kontrollpersonen. Dagegen ergab sich für Kupfer und Mangan bei den Patienten gegenüber den Gesunden eine niedrigere Exposition. Der größte Unterschied zwischen den beiden Gruppen bezüglich der Kupfer- und Mangan-Exposition bestand sechs Monate postnatal. So lag in den Zähnen der Patienten zu diesem Zeitpunkt eine um 41% bzw. 34% niedrigere Kupfer- bzw. Mangankonzentration vor als in der Kontrollgruppe.
Zwischen dem CAPE-Score der Erwachsenen und den prä- bzw. postnatalen Bleikonzentrationen fand sich eine signifikante positive Assoziation (mit kleiner bis mittlerer Effektstärke), nicht aber für die anderen Metalle. Außerdem ergab sich eine negative Korrelation zwischen Bleibelastung und dem Intelligenzquotienten (IQ) im Erwachsenenalter. Dieser Effekt war am stärksten ausgeprägt im zweiten Trimester der Schwangerschaft und ging dann im dritten Trimester und postnatal kontinuierlich zurück.
Positiv(!) mit dem IQ korrelierte in diesem kleinen Kollektiv dagegen die Magnesiumexposition: Sie war um den Geburtstermin herum am stärksten und nahm im Zeitraum danach ab. Auf diesen Zusammenhang gehen die Autoren aber nicht näher ein. GS

Kommentar

Diese Ergebnisse stützen die Annahme, dass eine Metallexposition während der kritischen Phasen der Entwicklung des Nervensystems das Risiko, als Erwachsener an einer Schizophrenie/Psychose zu erkranken, maßgeblich beeinflusst. Diese hochentwickelte Zahnsubstanz-Analyse stellt einen wichtigen Fortschritt in der Erforschung von Umwelteinflüssen auf psychiatrische Erkrankungen dar, da mit ihr das zeitliche Muster der Exposition von Fötus/Neugeborenem en detail bestimmt werden kann. Um die Zusammenhänge vollständig aufzuklären, empfehlen die Autoren größere Studien mit dieser Methode zu weiteren potenziellen exogenen Faktoren.

Quelle:

Modabbernia A et al.: Early-life metal exposure and schizophrenia: A proof-of-concept study using novel tooth-matrix biomarkers. Euro Psych 2016; [Epub: 14. Juni; doi: 10.1016/j.eurpsy.2016. 03.006]

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