Optische Kohärenz-Tomographie | Neuro-Depesche 7-8/2015

RNFL-Verdünnung prädiziert Therapieresistenz

Zertifizierte Fortbildung

Die Dicke der Schicht retinaler Axone (Retinal nerve fibre layer, RNFL) gilt als Marker für die Integrität der nicht-myelinisierten Axone der vorderen Sehbahn sowie der weißen Substanz im ZNS insgesamt. Die Optische Kohärenz Tomographie (OCT) ergab nun, dass die RNFL bei Patienten mit verschiedenen Epilepsie-Syndromen verdünnt ist – und dass dies das Nicht-Ansprechen auf die antiepileptische Medikation signifikant prädiziert.

300 in einem Epilepsie-Zentrum behandelte, langjährig erkrankte Patienten (ohne Vigabatrin- Exposition!) und 90 gesunde Kontrollen wurden in die Kohortenstudie eingeschlossen. Eine Therapieresistenz, definiert als das Verfehlen einer anhaltenden Anfallsfreiheit unter ≥ 2 Antiepileptika oder als Zustand nach einer Resektion, betraf 210 Patienten (72%).
Die per OCT gemessene durchschnittliche RNFL-Dicke peripapillär und in jedem 90° Gesichstfeldquadranten war bei den Epilepsie-Kranken signifikant niedriger als bei den gesunden Kontrollen (p < 0,001). 12,7% der Patienten hatten einen klar pathologischen RNFL-Befund (vs. 0% der Kontrollen), 17,0% eine zumindest grenzwertige Veränderung.
In der linearen multivariaten Regressionsanalyse zeigte sich u. a. eine signifikante Korrelation der RNFL-Verdünnung mit weiblichem Geschlecht, Alter, Epilepsiedauer, geistiger Behinderung und Therapieresistenz. Interessanterweise war eine geringere RNFL-Dicke zusätzlich assoziiert mit einer Hirnatrophie im MRT (Brain Parenchymal Fraction, BPF).
In der schrittweisen Regressionsanalyse war allerdings die Therapieresistenz der einzige signifikante (und unabhängige) Prädiktor für die RNFL-Verdünnung: Das Risiko war mehr als verdoppelt (Odds Ratio: 2,09; p = 0,03). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Der Studienhypothese entsprechend fand sich bei den Epilepsie-Patienten eine signifikant dünnere RNFL als bei den Gesunden. Dass zur Therapieresistenz eine signifikante, unabhängige Relation bestand, spricht für die akzentuierte Ausprägung neurodegenerativer Veränderungen bei den schwer behandelbaren Epilepsien. Wie bei anderen neurologischen Erkrankungen, u. a. der MS, könnte sich die OCT auch bei der Epilepsie mit der Zeit als zusätzlicher Verlaufsund vielleicht sogar Prognose-Parameter etablieren.

Quelle:

Balestrini S et al.: Retinal nerve fibre layer thinning is associated with drug resistance in epilepsy. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2015; pii: jnnp-2015-310521 [Epub: 17. April; doi: 10.1136/jnnp-2015-310521]

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