Kinder mit ADHS

Neuro-Depesche 9/2020

Ärmere Gegend – schwerere Symptome?

Zertifizierte Fortbildung
Welche Zusammenhänge bestehen zwischen ADHS und sozioökonomischen Faktoren? Im Ballungsraum Philadelphia wurden jetzt die Zusammenhänge zwischen lokaler Armut und dem Schweregrad einer kindlichen ADHS untersucht. Als kritisch erwies sich dafür eine fehlende medikamentöse Behandlung.
Die Analyse beruht auf von April 2016 bis Juli 2017 im Kinderkrankenhaus des Philadelphia Care Network gesammelten Daten. Nach dem Prozentsatz an Personen mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze (< $24.257 für einen Vierpersonenhaushalt) wurden die Wohnadressen der Kinder fünf Gebietsgruppen zugeteilt – von einem niedrigen Armutsanteil (8,9 % bis 18,1 % Arme) bis zu einem hohen (47,2 % bis 89,7 % Arme). Der Schweregrad der ADHS der 5- bis 13-Jährigen (doppelt so viele Jungen wie Mädchen) wurde anhand des Symptom-Scores der Vanderbilt Parent Rating Scale (VPRS) bestimmt. Insgesamt wurden nur 53 % aller Kinder medikamentös (mit Stimulanzien etc.) behandelt.
286 Kinder wurden 203 Zensusgebieten zugeordnet. 162 (56,7 %) lebten in ärmeren Nachbarschaften. Sie waren deutlich häufiger schwarz, ihre Eltern hatten einen niedrigeren Bildungsgrad und sie erhielten häufiger Schulspeisungen.
In der bivariaten Analyse war das Wohnen in der ärmsten gegenüber der reichsten Gegend signifikant mit höheren VPRSWerten (37,5 vs. 29,2 Punkte; p = 0,002) und einer selteneren Medikamenteneinnahme verbunden (66 % vs. 19 %; p = 0,000). In der multivariaten Analyse waren die VPRS-Scores allerdings nicht mehr mit lokaler Armut assoziiert, aber weiterhin mit der Einnahme von ADHS-Medikamenten (sowie Kindesalter und Ethnie). Eine Post-hoc-Stratifizierung nach Medikamenteneinnahme ergab, dass Armut in der Nachbarschaft und VPRS-Wert bei 153 medikamentös behandelten Kindern signifikant miteinander assoziiert waren (p = 0,016), nicht jedoch bei 125 Kindern, die keine ADHS-Medikamente einnahmen (p = 0,122). JL
 

 



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Dass Armut in der Nachbarschaft in der multivariaten Analyse nicht mit dem ADHS-Schweregrad assoziiert war, geht auf dazu beitragende Faktoren wie Rasse, Alter der Kinder, Bildungsstand der Eltern etc. zurück. Der signifikante Einfluss einer fehlenden Medikamenteneinnahme auf die Symptombelastung der Kinder erfordert, so die Autoren, in diesen „Neighborhoods“ gezielte Interventionen.
Quelle: Nfonoyim B et al.: Disparities in childhood attention deficit hyperactivity disorder symptom severity by neighborhood poverty. Acad Pediatr 2020; S1876-2859(20)30072-3
ICD-Codes: F90.0
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