Große Metaanalyse | Neuro-Depesche 9/2018

RLS-Patienten stärker hochdruckgefährdet?

Diverse Untersuchungen legen eine erhöhte Prävalenz eines Bluthochdrucks bei RLS-Patienten nahe. Jetzt wurde zu diesem Zusammenhang eine Metaanalyse von Studien mit fast einer halben Million Menschen durchgeführt. Die Ergebnisse sind allerdings zwiespältig.

In der Recherche konnten acht auswertbare Querschnitts- und eine Kohortenstudie mit insgesamt 429 617 Teilnehmern identifiziert werden. Sieben Studien waren in den USA oder Europa durchgeführt worden und je eine in Taiwan und Mexiko.
RLS-erkrankte Menschen hatten danach eine signifikant höhere Hochdruck-Prävalenz: Über alle Studien hinweg war die Wahrscheinlichkeit um 13% höher (Odds Ratio: 1,13; 95%- KI: 1,04–1,23; p = 0,003) und in den sieben Querschnittsstudien um 12% (OR: 1,12; 95%-KI: 1,01– 1,24; p = 0,028).
Eine höherer Hypertonie-Prävalenz bei RLS-Patienten fand sich in den jeweils auf diese Variablen unadjustierten Studien für einen Diabetes mellitus (DM, n = 5; OR: 1,25; 95%-KI: 1,00–1,55, p = 0,049), eine Dyslipidämie (n = 4; OR: 1,33; 95%-KI: 1,04–1,72, p = 0,026) und eine bestehende kardiovaskuläre Krankheit (KVK) wie KHK etc. (n = 7; OR: 1,14; 95%-KI: 1,04–1,25; p = 0,005). In Studien, in denen auf diese Krankheiten adjustiert worden war, ergab sich allerdings keine Signifikanz mehr für eine erhöhte Hypertonus-Prävalenz (DM, n = 4, OR: 1,10; 95%-KI: 0,99– 1,21; p = 0,077; Dyslipidämie, n = 5, OR: 1,08; 95%-KI: 0,99–1,19; p = 0,092; KVK, n = 2, OR: 1,08; 95%-KI: 0,80–1,45; p = 0,615).
Umgekehrt verhielt es sich für den Nikotinkonsum: In den zwei Studien, in denen diese Variable NICHT einberechnet worden war, ergab sich eine signifikant erhöhte Hypertonus-Prävalenz (OR: 1,11; 95%-KI: 1,03–1,20; p = 0,005), nicht aber in den sieben nicht auf diese Variable adjustierten Studien (OR: 1,68; 95%-KI: 0,88–3,23; p = 0,118). Auch der BMI hatte in den drei darauf unadjustierten Studien KEINEN maßgeblichen (OR: 1,10; p = 0,4), in den sechs adjustierten Studien aber einen signifikanten Einfluss (OR: 1,14; p = 0,007) auf die Prävalenz eines Bluthochdrucks im RLS-Kollektiv.
In einer Meta-Regressionsanalyse zu den Effekten möglicherweise beitragender Faktoren wurden die Prävalenzen weder durch DM noch Dyslipidämie oder KVK signifikant beeinflusst, wohl aber – als einzigen Faktor – durch einen Nikotinkonsum (p = 0,0158). Dies belegt aber keine Kausalität. JL

Kommentar

In der gepoolten Analyse dieser großen Stichprobe hatten die RLS-Patienten ein marginal, aber signifikant um > 10% erhöhtes Hypertonie-Risiko. Dies ist von großer Bedeutung, da ein Bluthochdruck einer der wichtigsten Risikofaktoren für (die Mortalität steigernde) kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Der Zusammenhang sollte in prospektiven Studien unter Beachtung der wesentlichen kardiovaskulären Risikofaktoren untersucht werden.


Quelle:

Hwang IC et al.: Higher prevalence of hypertension among individuals with restless legs syndrome: a meta-analysis. Psychiatry Investig 2018 [Epub 15. Juni; doi: 10.30773/pi.2018.02.26]

ICD-Codes: G25.8

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