Post-stroke-Depression | Neuro-Depesche 9/2016

Risikofaktor Vitamin-D-Mangel?

Zertifizierte Fortbildung

Bis zu einem Drittel aller Patienten entwickelt nach einem Schlaganfall relevante depressive Symptome. Bestehen Zusammenhänge mit den Vitamin-D-Serumkonzentrationen?

Der Vitamin-D-Status von 126 Schlaganfall- Patienten wurde anhand der 25-Hydroxyvitamin D (25-OHD)-Konzentration bestimmt, ein Mangel wurde als Serumwert < 20 ng/ml definiert. Depressive Symptome wurden mit dem Beck Depression Inventory II (BDI-II) und dem Patient Health Questionnaire 9 (PHQ-9) erfasst. Zusätzlich wurde die Unabhängigkeit im Alltag mit dem modifizierten Barthel-Index (mBI) dokumentiert.
In der Gruppe der 98 Patienten (77,8%) mit einem deutlichen Vitamin-D-Mangel (durchschnittlich 10,8 ng/ml) fanden sich signifikant (je p < 0,01) höhere Depressionsscores als bei den 28 Patienten mit normalen Spiegeln (durchschnittlich 28,4 ng/ml). Dies betraf sowohl das BDI-II (16,0 ± 12,1 vs. 9,1 ± 7,2 Punkte; p = 0,004) als auch das PHQ-9 (7,4 ± 4,2 vs. 4,2 ± 2,9 Punkte; p < 0,001). Im BI war der Unterschied zwischen den Gruppen nicht signifikant (54,5 ± 27,8 vs. 48,1 ± 25,9: p = 0,268).
Die Spearman-Korrelationsanalyse ergab eine signifikante negative Korrelation zwischen den Serumkonzentrationen an 25-OHD und den BDI-II-Werten (r = 0,205: p = 0,021), nicht aber mit den PHQ-9-Werten (r = 0,156; p = 0,081) und auch nicht mit denen des mBI (r = 0,034; p = 0,705). HL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Vitamin D könnte als klinischer Marker für eine Post-stroke-Depression dienen. Ob eine Supplementierung antidepressiv wirkt, bliebe in größeren Studien zu prüfen. Bei MS-Kranken z.B. werden heute vielfach hochnormale Werte, teils von bis zu 100 ng/ml, angestrebt. Mögliche biologische Mechanismen könnten antinflammatorische Effekte von Vitamin D sein, denn ein Mangel geht mit erhöhten Konzentrationen an Interleukin- 6 (IL-6) und Tumornekrose-Faktor α (TNF-α) einher, die depressionsfördernd die Kortisolproduktion steigern. Zudem reguliert Vitamin D indirekt auch verschiedene Neurotransmitter, darunter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin.

Quelle:

Kim SH et al.: Relationship between serum vitamin D levels and symptoms of depression in stroke patients. Ann Rehabil Med 2016; 40(1): 120-5

ICD-Codes: F06.8

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