Schizophrenie und schizoaffektive Störung | Neuro-Depesche 10/2007

Risikofaktor pränatale Homocysteinämie?

In der Pathogenese psychotischer Erkrankungen wird ein erhöhter Homocystein-Spiegel als potentieller Risikofaktor diskutiert. In einer Fall-Kontroll-Studie wurde nach Korrelationen zwischen Höhe der Serumspiegel und der Schizophrenie-Inzidenz gesucht.

Zwischen 1959 und 1966 wurden etwa 30% aller schwangeren Mitglieder einer bestimmten Krankenkasse in Kalifornien untersucht. Von einem Großteil der Mütter konnten nun die eingefrorenen Blutproben der verschiedenen Schwan­gerschaftstrimester analysiert werden. Außerdem wurde etwa die Hälfte der ca. 12 000 Kinder psychiatrisch untersucht. 63 Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiven Erkrankungen wurden 122 nicht psychiatrisch erkrankten Probanden der Kohorte gegenüberstellt.

Der Vergleich dieser beiden Gruppen ergab, dass ein im letzten Trimenon in der höchsten Tertile liegender Homocystein-Spiegel mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko einer späteren Schizophrenie gekoppelt war (Odds Ratio: 2,39; p = 0,02). Für das erste und zweite Trimenon traf diese Relation nicht zu.

In der Embryonalentwicklung kann Homocystein unter bestimmten Bedingungen als partieller Antagonist des N-Methyl-Aspartat-Rezeptors fungieren. Dieser Effekt kann zu einer gestörten Plazentafunktion und Schwangerschaftskomplikationen führen. Die Autoren mutmaßen, dass die Homocysteinämie strukturelle oder funktionelle Hirnveränderungen beim Föten bewirken oder aber über eine Störung der Vaskularisierung der Plazenta zu Minderdurchblutung und Sauerstoffmangel führen könnten. Eine (verlängerte) Folsäure-Supplementierung könnte das erhöhte Schizophrenie-Risiko der Kinder möglicherweise senken. (MF)

Quelle: Brown, AS: Elevated prenatal homocysteine levels as a risk factor for schizophrenia, Zeitschrift: ARCHIVES OF GENERAL PSYCHIATRY, Ausgabe 64 (2007), Seiten: 31-39

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?