Interpersonelle Psychotherapie | Neuro-Depesche 7/2005

PTBS-Therapie auch ohne Exposition wirksam?

Die als wirksam geltenden Therapien der posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) basieren meist auf Reexpositionsstrategien. Nicht wenige Patienten lehnen dies ab. Nach Erfolgen bei depressiven Patienten setzten Psychiater aus New York die nicht auf Reexposition/Konfrontation mit dem Trauma beruhende interpersonelle Psychotherapie (IPT) nun auch bei PTBS ein.

Die interpersonelle Psychotherapie ist auf Konsequenzen des Traumas im zwischenmenschlichen Umfeld der Patienten fokussiert, die in Form von reduziertem Vertrauen, geringer Selbstachtung, Angst vor Nähe, Verletzlichkeit und Abgrenzungsproblemen auftreten können. Dass die psychische Problematik als reale medizinische Erkrankung definiert wird, nimmt den Patienten die häufig bestehenden Schuldgefühle über ihre Situation. Die Arbeitshypothese für die aktuelle Pilotstudie lautete, dass eine Verbesserung der persönlichen Beziehungen des Patienten durch die IPT auch die PTBS-Symptomatik deutlich mildert. Therapeuten der Cornell-Universität behandelten 14 Patienten mit DMS-IV-Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung mit einer IPT in adaptierter Form. Die elf Frauen und drei Männer hatten verschiedene Traumata wie sexueller Missbrauch, Raubüberfälle oder Vergewaltigung erlebt und litten schon zwischen drei Monaten und bis zu 25 Jahren (durchschnittlich 7,6 Jahre) unter den Folgen. Bei acht Patienten wurde zudem eine Major Depression, bei sieben ein zusätzlicher Cannabis-/Alkohol-Missbrauch diagnostiziert. Primärer Wirksamkeitsparameter waren Veränderungen auf der "Clinician administered PTSD-Scale", die mit einem initialen Durchschnittswert von 66,9 auf einen anfänglich hohen Schweregrad der PTBS hinwies. Nur ein Patient brach die 14-wöchige IPT ab (nach 13 Wochen). Die PTBS-Symptomatik besserte sich bei allen 14 Patienten: Zwölf erfüllten nach der Therapie nicht mehr die PTBS-Diagnosekriterien, wobei 69% als Responder (Reduktion der PTSD-Skalenwerte >= 50%) und 38% als remittiert eingestuft wurden (PTSD-Werte <= 20 Punkte). Alle drei Symptomcluster der Posttraumatic Stress-Skala besserten sich ebenfalls stark. Auch depressive Symptome (nach HAM-D und BDI) und Wutreaktionen gingen merklich zurück. Bei neun von elf Patienten kam es ferner zu einer vorteilhaften Änderung persönlicher Beziehung (nach der Social Adjustement Scale). Einige Personen berichteten, dass sie sich nach dieser Symptombesserung schließlich auch erstmals den traumatischen Erinnerungen stellen konnten.

Quelle: Bleiberg, KL: A pilot study of interpersonal psychotherapy for posttraumatic stress disorder, Zeitschrift: AMERICAN JOURNAL OF PSYCHIATRY, Ausgabe 162 (2005), Seiten: 181-183

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