Analyse von Twitter-Tweets | Neuro-Depesche 3/2019

„Psychose“ ist nicht besser als „Schizophrenie“

Die Bezeichnung „Schizophrenie“ wird gemeinhin mit Unbehandelbarkeit, Chronizität und gewalttätigem Verhalten assoziiert. Behörden haben vorgeschlagen, diese Stigmatisierung durch Umbenennung in das vermeintlich neutralere „Psychose“ zu verringern. Ob dieser Begriff wirklich positiver besetzt ist, wurde nun anhand von Auswertungen von Twitter-Nachrichten geprüft.

In zwei siebentägigen Perioden wurden Tweets mit den Begriffen „Schizophrenie“, „schizophren“, „Psychose“ oder „psychotisch“ auf www.twitter.com gesammelt und mit „NCapture“ aufgenommen. Auf „NVivo“ wurden diese in den Kategorien Nutzertyp, Tweet-Inhalt, Haltung und Stigmatisierung von zwei unabhängigen Ratern kodiert.
Insgesamt wurden 1.120 Tweets identifiziert, die sich auf Schizophrenie/schizophren und 1.080, die sich auf Psychose/ psychotisch bezogen. Von diesen wurden 424 bzw. 416 Tweets in die aktuelle Analyse einbezogen.
„Psychose“ wurde dreimal häufiger in Tweets registriert, die eine negative Einstellungen zum Ausdruck brachten (n = 131) als „Schizophrenie“ (n = 41) (31,5 % vs. 9,7 %; p < 0,0001). In den persönlichen Meinungsäußerungen bzw. den dyadischen Interaktionen der Twitterer ließ sich in 125 Psychose-Tweets (53,4 %) eine Stigmatisierung erkennen gegenüber nur 33 (24,6 %) bei den „Schizophrenie“ enthaltenden Nachrichten. HL

Kommentar

Die Begriffe Psychose/psychotisch kamen in einer deutlich höheren Anzahl von Tweets mit negativem Inhalt vor als Schizophrenie/schizo-phren. Zusammen mit anderen Hinweisen deutet dies darauf hin, dass die Änderung der Bezeichnung Schizophrenie in Psychose die negative Einstellung gegenüber der psychischen Krankheit bzw. die Stigmatisierung der Erkrankten nicht vermindern würde.

Quelle:

Passerello GL et al.: Using Twitter to assess attitudes to schizophrenia and psychosis. BJPsych Bull 2019: 1-9 [Epub 20. Feb.; doi: 10.1192/bjb.2018.115]

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