Wer leidet stärker? | Neuro-Depesche 1-2/2020

Psychiatrische Störungen bei NMO und MS

Obwohl sich Neuromyelitis optica (NMO) und MS ähneln, unterscheiden sich die neurologischen Manifestationen und die Krankheitsfolgen erheblich. Ob dies auch auf komorbide psychiatrische Störungen zutrifft, wurde jetzt in Südkorea umfasssend untersucht.
Die 35 NMO und 24 MS-Patienten wiesen eine vergleichbare Schubrate (1,4 vs. 1.58) und Behinderung (EDSS: 2,30 vs. 2,09) auf. Erstere waren allerdings deutlich älter (49 vs. 32 Jahre; p < 0,001), etwa 12 Jahre später und deutlich länger erkrankt (82 vs. 41 Monate) als die MS-Patienten. Bei 17 % der NMO- und 8 % der MS-Patienten waren zuvor psychiatrische Störungen diagnostiziert worden.
 
Vergleich der Psychopathologie
Entgegen den Vorbefunden zeigten die MS-Patienten nach der Symptom Checklist- 95 (SCL-95) eine ausgeprägtere psychiatrische Komorbidität als die NMO-Patienten (Tab.). Im SCL-95 nicht signifikant häufiger waren dagegen u. a. Manien, Somatisierung, PTBS, Suizidalität und Insomnie. In der in beiden Gruppen deutlich erhöhten Hoffnungslosigkeit/Suizidalität nach der Beck Hopelessness Scale (BHS) war der Unterschied nur tendenziell (8,50 vs. 7,17; p = 0,057). Keine signifikanten Gruppenunterschiede zeigten sich ferner in den Persönlichkeitsmerkmalen nach dem Big Five Inventory-10 (BFI-K-10) und in den MS-bezogenen Funktionseinschränkungen nach dem Short-Form McGill Pain Questionnaire und dem Global Assessment of Function (GAF). Die Werte der Fatigue Severity Scale (FSS) unterschieden sich zwischen den Gruppen ebenfalls kaum (4,43 vs. 4,5).
In den vier Lebensqualitäts-Kategorien der WHOQOLBREF-Skala hatten die MSPatienten nur in der psychologischen Dimension ein ungünstigeres Ergebnis als die NMO-Patienten, nicht aber in den übrigen Items oder im Summenscore (46,40 vs. 48,43; p = 0,555). HL
 

 

Kommentar

Die bei den NMO-Patienten entgegen der Erwartung geringer scheinende psychische Problematik könnte, so die Autoren, darauf beruhen, dass diese ihre Beschwerden einfach weniger verbalisieren – und in Folge möglicherweise auch nicht ausreichend behandelt werden. Bei beiden Erkrankungen könnten Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, zusammen mit einem Stress-Management-Programm, Biofeedback etc., positive Wirkungen haben.
Quelle: Shin JS et al.: Comparison of psychiatric disturbances in patients with multiple sclerosis and neuromyelitis optica. Medicine (Baltimore). 2019; 98(38): e17184 [Epub XX: Sept.. doi: 10.1097/MD.0000000000017184]
ICD-Codes: G36.0

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