Pharmakotherapieresistente Epilepsie | Neuro-Depesche 11-12/2018

Psychiatrische Nebenwirkungen der THS?

Bei Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie wird immer häufiger die tiefe Hirnstimulation (THS) eingesetzt, besonders im anterioren Thalamus (ANT). In Finnland wurden jetzt frühere und aktuelle psychiatrische Symptome nach einer ANT-THS erfasst.

Aufgrund seiner Verbindung mit dem Gyrus cinguli und dem medialen präfrontalen Kortex hat der vordere Teil des Hypothalamus Einfluss auf emotionale und exekutive Funktionen.
Bei 22 Patienten (14 Männer, 36 ± 11,5 Jahre) mit schwerer Epilepsie (im Mittel 42 Anfälle pro Monat) wurde eine bilaterale ANT-THS durchgeführt. 15 Patienten waren mit einer Anfallsreduktion ≥ 50% Responder.
Intraoperativ wurde ein psychiatrisches Interview zu früheren und aktuellen psychiatrischen Symptomen und Psychopharmaka geführt. Depressive und andere (neuro)psychiatrische Symptome wurden außerdem mit der Montgomery and Åsberg Depression Rating Scale (MADRS), dem Beck Depression Inventory (BDI), der Symptom Checklist-90 (SCL-90) und dem Neuropsychiatrischen Interview (NPI) erfasst, ein Alkoholmissbrauch mit dem AUDIT. Ein Kontrollinterview fand ein Jahr später statt.
In der Gesamtgruppe wurde keine signifikante psychiatrische Morbidität festgestellt. Der mittlere BDI-Wert erhöhte sich nach einem Jahr lediglich von 6,3 auf 7,8, der MADRS-Score von 2,7 auf 5,1 Punkte. Bei der ANT-THS wurden auch keine Stimmungsveränderungen registriert. Zwei Patienten mit einer früheren Depression erlebten während der Einstellung der THS-Parameter plötzlich erneut depressive Symptome. Diese gingen jedoch nach Änderung der Stimulationsparameter zurück. Zwei weitere Patienten ohne Psychosen in der Vergangenheit, entwickelten paranoide und Angstsymptome. Doch auch diese wurden durch eine Parameteranpassung reduziert. GS

Kommentar

Die Mehrheit der THS-ANT-Patienten dieser Studie zeigte keine psychiatrischen Symptome und falls doch, waren diese − ggf. nach Änderung der Stimulationsparameter − reversibel. Dabei kann eine frühere Depres-sion als prädisponierender Faktor für depressive Symptome angesehen werden.

Quelle:

Järvenpaa S et al.: Reversible psychiatric adverse effects related to deep .... Epilepsy & Behavior 2018 [Epub 3. Juli; doi.org/10.1016/j.yebeh.2018.09.006]

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