Neuro-Depesche 3/2018

Neue MRT-Marker bei CIDP

Proximale Nervenschädigung gut einschätzbar

Für Patienten mit chronischer inflammatorischer demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP) charakteristisch ist die Schädigung proximaler Nerven. Doch diese sind, ebenso wie die rumpfnahen Muskeln, herkömmlichen Untersuchungstechniken nur schwer zugänglich. Mittels serieller Diffusion tensor imaging (DTI) und einem Dixon-MRT-Protokoll wurde nun in einer kleinen prospektiven Studie versucht, Bildgebungsmarker für die proximale Schädigung des Ischiasnervs und die neurogene Muskelveränderungen im Oberschenkel zu finden.

In die kleine Kohortenstudie wurden elf Patienten mit CIDP (56 ± 11 Jahre alt, fünf Frauen) eingeschlossen, die seit durchschnittlich 4,67 Jahren mit einmal monatlich IVIg behandelt wurden. Elf gesunde Personen dienten als Kontrollen. Alle unterzogen sich einer DTI des N. ischiadicus und einem Multiecho-Dixon- MRT des jeweils rechten M. biceps femoris und M. quadriceps femoris (3,0 Tesla). Die Dixon-Sequenz ist ein spezielles MRT-Protokoll, das anhand unterschiedlicher Resonanzfrequenzen von Fettund Wasserprotonen beide Anteile in Geweben separieren kann. Damit bestimmt wurde die Protonendichte-Fettfraktion (Proton-density fat fraction, PDFF) auf einer Skala von 0–100%. Zusätzlich wurden die Studienteilnehmer klinisch und mittels EMG untersucht. Die Baseline-Erhebungen wurden nach sechs Monaten wiederholt.
Gegenüber den Kontrollen wiesen die CIDP-Patienten im Durchschnitt einen signifikant größeren Ischiadicus-Querschnitt auf (53,2 vs. 36,5 mm2; p = 0,0128). Und die durchschnittliche fraktionelle Anisotropie (FA) in der DTI dieses Nervs als Marker für einen Axonschaden fiel in der CIDP-Gruppe signifikant niedriger aus (0,34 vs. 0,45; p < 0,001). Hier war die Interrater-Übereinstimmung exzellent (ICC: 0,89).
Das PDFF-Mapping ergab ebenfalls deutliche Unterschiede: Einen signifikant höheren intramuskulären Fettanteil als die Kontrollen zeigten die CIDP-Patienten sowohl im Biceps femoris (9,3% vs. 4,3%; p < 0,001) als auch im Quadriceps (5,9% vs. 2,9%; p = 0,003). Auch hierbei war die Interrater-Übereinstimmung hervorragend (ICC 0,89 bzw. 0,91).
Es fanden sich keine signifikanten Korrelationen zwischen den FA-Werten des Ischiadicus und den klinischen oder elektroneurographischen Befunden. Der Ischias-Querschnitt korrelierte bei den CIDP-Patienten nach sechs Monaten positiv mit dem Fettanteil des Biceps femoris (r = 0,684, p = 0,0203). Die PDFF-Werte standen aber in keinem Zusammenhang mit der (zusätzlich bestimmten) Muskelkraft.
Die nach sechs Monaten erneut erhobenen MRT-Befunde ergaben im Verlauf praktisch keine wesentlichen Veränderungen. Dies spricht einerseits für eine hohe Reproduzierbarkeit und andereseits für eine fehlende Progression, die der IVIg- Behandlung zuzuschreiben sein dürfte. JL

Kommentar

Die gegenwärtigen klinischen, serologischen und elektrophysiologischen Untersuchungen weisen für die Diagnostik, Progression und Therapieresponse bei der CIDP nur eine begrenzte Sensitivität bzw. Zuverlässigkeit auf. Mittels der hier verwendeten fortgeschrittenen Verfahren DTI und Dixon- MRT ließen sich bei CIDP-Patienten die subklinische proximale Nervenschädigung und die neurogene intramuskuläre Fettanreicherung eindrucksvoll nachweisen. Die Befunde könnten den Neurologen in der Einschätzung des Schweregrades der CIDP unterstützen. Ob sie sich auch als Marker zur Beurteilung des Therapieansprechens eignen, müssen größere Studien an schwerer betroffenen CIDP-Patienten klären.


Quelle:

Lichtenstein T et al.: MRI biomarkers of proximal nerve injury in CIDP. Ann Clin Transl Neurol 2017; 5(1): 19-28



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ICD-Codes: G61.8

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