Deutsche Versicherungsdaten ausgewertet

Neuro-Depesche 7-8/2021

Post Stroke Epilepsy: Inzidenz, Risikofaktoren und Verlauf

Wie häufig treten nach Schlaganfällen epileptische Anfälle bzw. Post-Stroke-Epilepsien auf? Welche Risikofaktoren bestehen dafür und welchen Verlauf nimmt das Anfallsgeschehen? Diese Fragen klärte eine Auswertung deutscher Versicherungsdaten.
Retrospektiv wurden die Schadensdaten aller 53.883 Mitglieder der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen ausgewertet, die vom 1. Jan. 2011 bis 31. Dez. 2015 (Indexperiode) wegen eines akuten Schlaganfalls stationär behandelt worden waren. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug 12 bis 72 Monate. Primäre Studienparameter waren das Auftreten epileptischer Anfälle (≥ 1 Anfall) während der Indexperiode und einer Post-Stroke- Epilepsie (PSE) (≥ 2 Anfälle) danach.
 
Anfälle bei mehr als jedem/r Zehnten
Bei einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 829,05 (median 749) Tagen erlitten 6.054 der 53.883 Schlaganfall-Patienten (11,24 %) einen Krampfanfall. Das Durchschnittsalter der Betroffenen betrug 73,95 Jahre, 54,2 % waren Frauen. Bei 2.130 Patienten (35,2 %) trat der Anfall noch im Krankenhaus auf – ein Hinweis auf eine akut symptomatische Genese. Bei 826 (1,53 %) blieb es bei einem Anfall; sie wurden aus der PSE-Analyse ausgeschlossen.
Die PSE-Inzidenz (Fälle/1.000 Patientenjahre [PJ]) lag innerhalb von 90 Tagen nach dem Schlaganfall bei 190,82, innerhalb von 180 Tagen bei 135,42, innerhalb eines Jahres bei 94,49 und innerhalb der gesamten 2,5-jährigen Nachverfolgung bei 46,97. Sie war bei beiden Geschlechtern ähnlich (zuletzt 45,87 Fälle/1.000 PJ bei den Männern und 47,96 bei den Frauen). Im ersten Jahr war 73,75 % der 6.054 Betroffenen ein Antiepileptikum (AED) verschrieben worden, im zweiten Jahr 69 % der noch lebenden Patienten.
 
Das sind die Risikofaktoren
Das Anfallsrisiko nach der Entlassung war bei Patienten mit hämorrhagischem Schlaganfall signifikant höher als bei jenen mit ischämischem Insult (Hazard Ratio [HR] 1,13; p < 0,001). Anfälle in der Krankenhaus-Indexperiode waren nicht nur ein Risikofaktor für eine PSE (HR 6,97) sondern auch für einen frühen Tod (HR 1,78) (je p < 0,001). Weitere Risikofaktoren für epileptische Anfälle waren Alter (HR 0,99) und Länge des Klinikaufenthalts in der Indexperiode (HR 1,02) (je p < 0,001), nicht aber Geschlecht, Charlson Comorbidity Index (CCI) und Komplexität der Schlaganfalltherapie. HL
Kommentar
Die hohe Inzidenz epileptischer Anfälle und einer PSE harmoniert mit früheren Studiendaten. Besonders hoch war das PSE-Risiko bei Patienten mit kurz nach dem Schlaganfall auftretenden Anfällen und jenen mit hämorrhagischem Schlaganfall.
Quelle: Hardtstock F et al.: Poststroke epilepsy incidence, risk factors and treatment: German claims analysis. Acta Neurol Scand 2021 [Epub 24. Feb.; doi: 10.1111/ane.13403]
ICD-Codes: G40.9
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