Welche Optionen gibt es? | Neuro-Depesche 11/2015

Pharmakotherapie der Narkolepsie

Die Narkolepsie (mit oder ohne Kataplexie) ist eine noch immer unzureichend behandelbare Erkrankung. Welche Medikamente wirksam sind, fassten nun ein Team von Schlafforschern zusammen.

Methylphenidat und Amphetamine

Methylphenidat (MPH) und Amphetamine wirken vor allem auf die exzessive Tagesmüdigkeit (EDS). Ihr Einsatz ist durch das Nebenwirkungsprofil und das Missbrauchspotenzial begrenzt. MPH wurde jüngst zurückgestuft auf eine Second line- und Amphetamine auf eine Third line-Option. Sie werden am häufigsten eingesetzt, wenn andere Medikamente (s. u.) die EDS nicht ausreichend verringern oder aus anderen Gründen nicht eingenommen werden können. Höhere als die empfohlenen Dosen (je 60 mg/d) können mit Herzrhythmusstörungen, psychiatrischen Störungen und häufigeren Hospitalisierungen einhergehen.

Antidepressiva

Zur Wirksamkeit von SSRI (z. B. Fluoxetin), SNRI und TZA auf die Kataplexie existieren wenige Studiendaten, jedoch Fallberichte. Anscheinend verringert gerade die Noradrenalin-Aufnahmehemmung wie beim SNRI Venlafaxin die Kataplexie, die Wirkung selbst niedriger Dosen setzt oft innerhalb von 48 h ein. Nach Auftitrierung, startend mit 37,5 mg/d Venlafaxin, sind häufig höhere Dosen (75–300 mg/d) erforderlich. Nebenwirkungen umfassen u. a. Insomnie und sexuelle Dysfunktionen, Schlafstörungen wie eine RBD und ein RLS können begünstigt werden. Antidepressiva sind weder von der FDA noch der EMA bei Kataplexie zugelassen, dienen aber off-label vor allem als Alternative zu Natriumoxybat (siehe mittlere Spalte). (Clomipramin wird in dem Review übrigens nicht erwähnt!)

Modafinil/Armodafinil

Diese Stimulanzien reduzieren vor allem die EDS, haben aber keine Effekte auf die übrigen Symptome der Narkolepsie. Die meisten Patienten benötigen die zugelassene Höchstdosis (400 mg/d) oder mehr (600 mg/d), viele kommen aber auch mit 100 mg/d Modafinil (oder 50 mg/d Armodafinil) zurecht. Kopfschmerzen können Dosisanpassungen erforderlich machen. Selten können (bei Kindern) schwere Hautausschläge auftreten, und die Wirkung oraler Kontrazeptiva kann beeinträchtigt werden. In Kombination mit Natriumoxybat können sie die Verringerung der Tagesmüdigkeit verstärken.

Natriumoxybat

Das zentral dämpfende Natriumoxybat ist die einzige Substanz, mit der sich praktische alle Symptome der Narkolepsie behandeln lassen. Bei meist guter Verträglichkeit können bei einigen Patienten aber auch – teils schwere – Übelkeit, Verwirrung, Angst, depressive Symptome, RLS, Schlafwandeln oder Enuresis auftreten. Anfängliche neuropsychiatrische Probleme können zum Teil auf Einschlafstörungen zurückgeführt werden. Missbrauchsbefürchtungen durch Narkolepsie- Patienten haben sich laut den Autoren weitgehend nicht bestätigt, Todesfälle unter Natriumoxybat gehen zumeist auf absichtliche Überdosierungen oder die gleichzeitige Einnahme von Sedativa, Alkohol etc. zurück („Partydroge“). Zu Beginn kann es bei Kataplexie (z. B. mit Venlafaxin) oder bei schwerer Tagesmüdigkeit (z. B. mit Modafinil) kombiniert werden. JL

Quelle:

Thorpy MJ, Dauvilliers Y: Clinical and practical considerations in the pharmacologic management of narcolepsy. Sleep Med 2015; 16(1): 9-18

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