Depressive Kinder und Jugendliche

Neuro-Depesche 4/2022

Pharmako- und Psychotherapie kombinieren?

Zertifizierte Fortbildung

Obwohl die klinische Wirksamkeit und Sicherheit einer Kombination aus Pharmakotherapie und Psychotherapie bei depressiven Kindern und Jugendlichen mehrfach untersucht wurden, ist die Erkenntnislage bis heute uneindeutig. Zu dieser Fragestellung wurde jetzt eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCT) durchgeführt.

Insgesamt wurden 14 RCT mit 1.325 Kindern und Jugendlichen (≤ 18 Jahre alt) mit depressiver Störung ausgewertet. Sie hatten eine Kombination von Pharmako-und Psychotherapie erhalten und wurden mit Kindern unter anderen aktiven Behandlungsoptionen (Pharmakotherapie, Psychotherapie und kombinierte Placebo-Psychotherapie) verglichen.
 
Signifikante Unterschiede?
In den primären und sekundären Endpunkten fanden sich keine signifikanten Unterschiede für die kombinierten gegenüber den Vergleichstherapien: weder in Bezug auf eine Remission (Odds Ratios [OR]: 1,37; 95 %-KI: 0,93 - 2,04; p = 0,11) noch auf die Akzeptanz (OR: 0,99; 95 %-KI: 0,72 - 1,38; p = 0,98), Akutwirksamkeit (standardisierte mittlere Differenz: -0,07; 95 %-KI: -0,32 bis 0,19; p = 0,60) und Suizidalität (OR: 1,17; 95 %-KI: 0,67 - 2,06; p = 0,58 ).
Es ergaben sich begrenzte Hinweise, dass die Kombination einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) mit dem SSRI Fluoxetin oder Nicht-SSRI-Antidepressiva anderen aktiven Behandlungsoptionen in der Akutwirksamkeit überlegen war (OR: 1,90, 95 %-KI: 1,10 - 3,29; bzw. OR: 2,46, 95 %- KI: 1,06 - 5,72) .
Die meisten eingeschlossenen Studien zeigten, so die Autoren, ein bedenkliches Bias-Risiko. Nur drei waren von größeren Verzerrungen frei. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die nur begrenzt verfügbaren Daten ergeben keine Evidenz, dass Kombinationstherapien in der Akutbehandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen anderen aktiven Behandlungsoptionen generell überlegen sind. Ausnahme waren Fluoxetin oder Nicht-SSRI plus eine KVT. Eine heterogene Population und kleine Stichprobengrößen bei den Nicht-SSRI-Kombinationen lassen die Verallgemeinbarkeit der Befunde nicht zu.

Quelle:

Xiang Y et al.: Comparative short-term efficacy and acceptability of a combination of pharmacotherapy and psychotherapy for depressive disorder in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. BMC Psychiatry 2022; 22(1): 139 [Epub 22. Feb.; doi: 10.1186/s12888-022-03760-2]

ICD-Codes: F32.9
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