Schlafstörungen: häufig verkannt, oft gut behandelbar

Neuro-Depesche 4/2020

Perampanel kann auch den Schlaf verbessern

Moderne interaktionsarme Antikonvulsiva wie Perampanel haben die Therapieoptionen deutlich erweitert. Wie Epilepsie-Experten auf einer Fachpresseveranstaltung von Eisai in Berlin berichteten, können sich unter Perampanel als Zusatztherapie auch die bei Epilepsie-Patienten häufigen Schlafstörungen bessern.
Mehr als 50 % der Epilepsie-Patienten leiden an einer Insomnie, bis zu 48 % an Tagesmüdigkeit und rund 30 % an einer Schlafapnoe. „Durchschlafstörungen und die damit verbundenen Arousals können zu einem Schlafdefifizit führen und sich negativ auf die Anfallskontrolle auswirken“, berichtete Dr. Rebekka Lehmann, Berlin. „Vor allem idiopathisch generalisierte Epilepsien haben bei Schlafentzug ein hohes Risiko für Anfälle.“ Da nächtliche Anfälle ihrerseits den Schlaf stören, kann sich in einem Teufelskreis die Anfallsfrequenz der Patienten noch weiter steigern.
Wie die Expertin erläuterte, hatten Studien gezeigt, dass Perampanel als Add-on die Anfallskontrolle und die Schlafarchitektur verbesserte, ohne die Tagesmüdigkeit zu erhöhen. Neuen Daten zufolge hat der nicht-kompetitive AMPA-Rezeptor-Antagonist bei Patienten mit Epilepsie einen günstigen Einflfluss auf Schlafstörungen: In einer aktuellen Open-Label-Studie wurden bei 25 Patienten mit therapierefraktärer fokaler Epilepsie zu Baseline und in Woche 12 eine Polysomnographie (PSG) durchgeführt sowie die Schlafqualität mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und die Tagesmüdigkeit mit der Epworth Sleepiness Scale (ESS) erfasst.
Zu Beginn dieser PSG-Studie berichtete etwa jeder zweite Patient, nachts schlecht zu schlafen, und fast ein Drittel litt unter einer erhöhten Tagesmüdigkeit (ESSScore > 12). Vier Wochen nach Beginn der Zusatztherapie mit Perampanel (median 6 mg) hatten sich alle Schlafparameter gebessert. Dies betraf mit Signififikanz u. a. die Gesamtschlafzeit (p = 0,037), die Schlaflflatenz (p = 0,022), die Schlafeffiffizienz (p = 0,015) und den Schlaferhaltungsindex (p = 0,005).
Somit könnte Perampanel als Add-on bei Epilepsie-Patienten mit komorbider Schlafstörung eine bevorzugte Therapieoption darstellen. AAA
Quelle:

Fachpresseveranstaltung im Rahmen des 13. Valentinssymposiums „Epilepsie im Dialog: aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die therapeutische Praxis“, Berlin, 28. Feb. 2020.  

Fycompa® ist für die Zusatztherapie bei fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung und die Behandlung primär generalisierter tonisch-klonischer Anfälle bei idiopathischer generalisierter Epilepsie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen. Eine Zulassungserweiterung zur Behandlung von pädiatrischen Patienten < 12 Jahre ist bei der EMA eingereicht.

ICD-Codes: G40.9
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