| Neuro-Depesche 9/2001

Orthostatische Hypotonie durch anaplastisches Astrozytom

Eine 39-jährige Frau mit rezidivierenden Synkopen und Schwindel wurde zur Klärung der Ursache in die Universitätsklinik Frankfurt/Main aufgenommen. Die initiale Diagnose lautete orthostatische Dysregulation bei Alkoholabusus.

In der klinischen Untersuchung fand sich eine schwach ausgeprägte Hemiparese links. Anamnestisch wurdenmehrere cerebrale Krampfanfälle zehn Wochen vor der Aufnahme eruiert. Der CCT-Befund zeigte eine Zyste in der linken Temporalregion, die mit einer Arachnoidalzyste vereinbar war. Nach Entlassung nahmen die Orthostasereaktionen deutlich an Häufigkeit zu, so dass eine erneute Untersuchung notwendig wurde. Nun fanden sich Hypotonie, horizontaler Nystagmus und eine Gaumensegeldeviation nach rechts. In der Kipptischdiagnostik wurde ein Defekt des sympathischen Schenkels des Barorezeptorreflexes nachgewiesen. Neben der üblichen Synkopendiagnostik bietet die Kipptischuntersuchung eine gute Möglichkeit zur Auffindung vegetativer Störungen. Das MRT des Gehirns zeigte einen signalanreichernden Tumor im Bereich der Medulla oblongata. Die Patientin verstarb durch Atemstillstand. Die Obduktion ergab ein anaplastisches Astrozytom WHO III der Medulla oblongata. (Be)

Quelle: Schacherer, C: Anaplastic astrocytomas of the medulla oblongata. A rare differential diagnosis in orthostatic hypotension, Zeitschrift: DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT, Ausgabe 19 (2001), Seiten: 42-46

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