Herkömmliche Migräne-Prophylaktika | Neuro-Depesche 11-12/2019

Onabotulinumtoxin A vs. Topiramat in offener Head-to-head-Studie

Die prophylaktische Therapie der chronischen Migräne hat durch die CGRP-Antikörper einen gewaltigen Schub erhalten, doch auch die herkömmlichen Prophylaktika werden noch bei vielen Patienten eingesetzt. In der prospektiven randomisierten Openlabel- Studie FORWARD wurden in dieser Indikation nun Onabotulinumtoxin A und Topiramat über 36 Wochen miteinander verglichen. Die Ergebnisse fallen eindeutig aus.
In der multizentrischen Studie im Parallelgruppen-Design wurden 282 Erwachsene mit einer chronischen Migräne (CM) zu drei Zyklen einer Injektionstherapie mit Onabotulinumtoxin-A (ONA-BTX-A; 155 U im Abstand von zwölf Wochen) oder zur täglichen Einnahme von Topiramat (TPM; 50–100 mg) im Verhältnis 1 : 1 randomisiert. Nach zwölf Wochen wechselten 80 der 142 anfänglich zu TPM randomisierten Patienten auf die ONA-BTX-A-Behandlung.
148 der 282 CM-Patienten beendeten die randomisierte Studienphase: 120 (86 %) unter ONA-BTX-A, aber nur 28 (20 %) unter TPM. Hauptgründe für den Abbruch waren zum einen Unwirksamkeit (ONA-BTX-A: 5 %; n = 7; TPM: 19 %; n = 27) und zum anderen Nebenwirkungen (ONA-BTX-A: 4 %; n = 5; TPM: 51 %, n = 72).
Den primären Wirksamkeitsendpunkt, Verringerung der Kopfschmerztage um ≥ 50 % in Woche 29-32, erreichten unter ONABTX- A signifikant mehr Patienten als unter TPM (40 % [56/140] vs. 12 % [17/142]; adjustierte Odds Ratio: 4,9; 95 %-KI: 2,7-9,1; p < 0,001). Die Ergebnisse fielen bei den 80 CM-Patienten, die auf ONA-BTX-A umgestiegen waren, ähnlich aus.
ONA-BTX-A war dem Antiepileptikum darüber hinaus auch im Erreichen sekundärer Endpunkte überlegen: In einer Post-hoc- Analyse lagen die 50 %-Responder-Raten in Woche 12 bei 45,6 % für ONA-BTX-A (n = 125), aber nur bei 29,4 % für TPM (n = 109). Der Unterschied war signifikant (p = 0,015).
Auch die Verträglichkeit war unter der Injektionstherapie mit dem Neurotoxin besser: Insgesamt wurden Nebenwirkungen bei 48 % (105/220) der mit ONA-BTX-A und bei 79 % (112/142) der mit TPM behandelten Patienten dokumentiert. JL

Kommentar

Der direkte Vergleich von Onabotulinumtoxin-A und Topiramat fiel nicht überraschend aus. Die Wirksamkeit beider Behandlungen war zuvor in Placebo-kontrollierten randomisierten klinischen Studien nachgewiesen worden, nicht aber der Nutzen unter realen Bedingungen, der sich aus Wirksamkeit und Verträglichkeit zusammensetzt. Diese Studie belegt jetzt, dass Onabotulinumtoxin-A einen größeren klinischen Nutzen hat als Topiramat. Dies geht hauptsächlich auf Verträglichkeitsprobleme unter dem Antiepileptikum zurück, die in einer deutlich höheren Anzahl von Onabotulinumtoxin- A-Patienten resultiert, die zu Studienende noch in Behandlung waren.
Quelle: Rothrock JF et al.: FORWARD study: evaluating the comparative effectiveness of onabotulinumtoxina and topiramate for headache prevention in adults with chronic migraine. Headache 2019 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1111/head.13653]

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