7-Tesla-MRT-Aufnahmen | Neuro-Depesche 4/2019

Okkulte Hirnschäden auch bei NMOSD?

Zertifizierte Fortbildung

MS-Patienten zeigen schon in frühen Stadien deutliche Hirnge-websschädigungen. Ob dies auch auf Patienten mit einer Neuro-myelitis optica spectrum disorder (NMOSD) zutrifft, wurde anhand von 7-Tesla-MRT-Aufnahmen im direkten Vergleich untersucht.

Rekrutiert wurden sieben MS-Patienten (durchschnittliches Alter 30,2 Jahre; Krankheitsdauer 3,6 Jahre; medianer EDSS-Score 1,5; vier Frauen) sowie elf Anti-Aquaporin-4 (AQP4)-Antikörper-seropositive NMOSD-Patienten (durchschnittliches Alter 43,7 Jahre; Krankheitsdauer 9,3 Jahre; medianer EDSS-Score 3,5; elf Frauen). Zehn Gesunde dienten der Kontrolle. Halbautomatisch markiert wurden die läsionsfreien(!) periependymalen Regionen um die lateralen, den 3. und 4. Ventrikel sowie den Aquädukt. Als Maß für eine diffuse (auf strukturellen und ödematösen Veränderungen beruhende) Gewebsschädigung in den drei Gruppen wurden lokale Verlängerungen der T1-Relaxationszeiten verglichen.
MS- und NMOSD-Patienten wiesen mit 143 bzw. 154 eine ähnliche Zahl an Läsionen auf. In den läsionsfreien Regions of interest (ROI) fielen die T1-Relaxationszeiten bei den MS-Patienten gegenüber den gesunder Probanden wie erwartet deutlich länger aus (lat. Ventrikel: p = 0,043; 3. Ventrikel: p = 0,027; 4. Ventrikel: p = 0,013; Aquädukt: p = 0,043). Im Gegensatz dazu ließen sich in den T1-Relaxationszeiten zwischen der NMOSD- und der Kontrollgruppe Gesunder keine signifikanten Unterschiede feststellen (alle Vergleiche p > 0,05) (s. Abb.) Der Vergleich der beiden Patientengruppen ging in die gleiche Richtung: In der MS-Gruppe ergaben sich gegenüber der NMOSD-Gruppe in allen ROIs signifikant oder tendenziell längere T1-Relaxationszeiten (lat. Ventrikel: p = 0,056; 3. Ventrikel: p = 0,173; 4. Ventrikel: p = 0,016; Aquädukt: p = 0,048). JL
 

 



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Dass im Gegensatz zu den MS-Patienten in den (AQP4-reichen) periependymalen Regionen der NMOSD-Patienten keine maßgeblichen T1-Veränderungen vorlagen, unterstützt die Hypothese einer eher fokalen als diffusen Hirnpathologie bei der NMOSD. Frühere MR-Spektroskopie-Studien hatten bei diesen Patienten ebenfalls kaum pathologische Veränderungen der Normal appearing white matter (NAWM) ergeben.

Quelle:

Pasquier B et al.: Quantitative 7T MRI does not detect occult brain damage in neuromyelitis optica. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2019; 6(3): e541 [Epub 7. März; doi: 10.1212/NXI.0000000000000541]

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