Kardiale Beteiligung bei hATTR | Neuro-Depesche 1/2019

NT-proBNP-Spiegel als Marker?

Die Pathologie der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR) betrifft nicht nur das periphere Nervensystem, sondern häufig auch die inneren Organe. Jetzt wurden die Prävalenz und die prognostische Bedeutung der kardialen Beteiligung bei hATTR-Patienten sowie der Wert des N-Terminalen natriuretischen Peptids Typ B (NT-proBNP) als diagnostischer und prognostischer Marker untersucht.

Am Uniklinikum Groningen, einem nationalen Amyloidose-Kompetenzzentrum, wurden 77 von 1994 bis 2016 behandelte Patienten prospektiv erfasst. Eine TTR-V30M-Mutation lag bei 30 Patienten (39 %) vor, die übrigen 47 wiesen neun andere TTR-Mutationen auf (am häufigsten Y114C, V71A und G47E). Eine Herzbeteiligung wurde durch eine ansonsten unerklärte links- und/oder rechtsventrikuläre Kammerwandhypertrophie (> 11 bzw. > 6 mm) im Ultraschall und/oder durch fortgeschrittene Leitungsstörungen im Elektrokardiogramm definiert.
Eine periphere Neuropathie lag zu Studienbeginn bei 78 % der Teilnehmer und eine autonome Dysfunktion bei 57 % vor. Sowohl in der V30M-Gruppe als auch in der Gruppe ohne diese Mutation gab aber die neurologische Symptomatik mit 77 % bzw. 51 % am häufigsten den Anlass für die Biopsie, während die kardiale Manifestation dafür nur in 7 % bzw. 15 % der Fälle der Grund war. Bei den meisten Patienten lagen auch keine Herzinsuffizienz-Symptome vor. Die klinische Aufarbeitung zeigte allerdings, dass eine gewisse Herzbeteiligung bei 51 % aller Patienten vorhanden war – unabhängig vom Genotyp.
 

 

In der medianen Nachbeobachtungszeit von sechs Jahren verstarben 33 Patienten (43 %) im Durchschnittsalter von 61 Jahren. Adjustiert auf Alter, Geschlecht, systolischen Blutdruck, V30M-Genotyp etc. war die Herzbeteiligung zu Studienbeginn mit einer um fast das Sechsfache erhöhten Gesamtmortalität assoziiert (Hazard Ratio: 5,95, 95 %-KI: 2,12 - 16,7).
Der sensitivste NT-proBNP-Grenzwert von 164 ng/l hatte einen negativen Vorhersagewert für die Herzbeteiligung von 87,5 %, der spezifischste Grenzwert von 365 ng/l einen positiven Vorhersagewert von 93 %. Der (literaturbasierte) Cut-off- Wert von 125 ng/l ergab – bei einer eher niedrigen Spezifität von 65 % – eine hohe Sensitivität von 92 %. JL

Kommentar

Unabhängig von der überwiegend nicht-kardialen Präsentation der hATTR liegt bei etwa der Hälfte der Patienten bereits bei der Diagnose eine Herzbeteiligung vor, die anschließend mit einer deutlich erhöhten Mortalität einhergeht. Die NT-proBNP-Spiegel erscheinen für die kardiale Beteiligung als klinisch nützlicher Indikator.


Quelle:

Klaassen SHC et al.: Frequency of and prognostic significance of cardiac involvement at presentation in hereditary transthyretin-derived amyloidosis and the value of N-Terminal pro-B-type natriuretic peptide. Am J Cardiol 2018; 121(1): 107-12

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