Unrupturierte intrakranielle Aneurysmen | Neuro-Depesche 10/2011

Nimmt der Kopfschmerz nach der OP ab oder zu?

Unrupturierte intrakranielle Aneurysmen liegen bei 3 bis 6% der über 30-Jährigen vor und werden in einem Drittel der Fälle aufgrund von Kopfschmerzattacken diagnostiziert. Ob der Kopfschmerz nach ihrer operativen Behandlung abnimmt, zunimmt oder sich anderweitig verändert, wurde in den USA in einer prospektiven nicht-interventionellen Studie geprüft.

Das Studienkollektiv bestand aus 44 Patienten (37 Frauen). Nach ICHD-II-Kriterien litten 11 unter episodischem Spannungskopfschmerz, 8 unter chronischem Spannungskopfschmerz, 8 unter episodischer und 6 unter chronischer Migräne, 2 unter einer Okzipitalis-Neuralgie sowie je einer unter einem posttraumatischen und einem primär stechendem Kopfschmerz. 32 Patienten wiesen ein Aneurysma im vorderen, 13 im hinteren Kreislauf auf und ein Patient je eines in beiden Arealen. 38 Patienten unterzogen sich einem Aneurysma-Coiling, 5 einem Clipping und 3 einer Embolisierung per infundiertem Medikament. Bei neun Patienten erfolgt ein Stent-unterstütztes Coiling. Die Veränderungen der Kopfschmerzmuster hinsichtlich Typ, Schwere und Häufigkeit wurden u. a. mittels Migräne Disability Assessment Score (MIDAS) erfasst. In den Patienten- und Krankheitsvariablen wurde außerdem nach Prädiktoren für das Therapieoutcome gesucht.

In der Gesamtgruppe der 44 Patienten ging die Kopfschmerz-Attackenfrequenz über 90 Tage nach der Operation signifikant von 31 auf 17 Tage zurück (p < 0,001). Bei den 28 Patienten, die noch kurz vor der Operation akut unter Kopfschmerzen gelitten hatten, wurde die Attackenhäufigkeit ebenfalls signifikant von 49 auf 26 Tage reduziert (p = 0,002). In der Schwere einzelner Attacken kam es jedoch zu keinen Veränderungen. Es ergab sich bei 68% eine Kopfschmerzreduktion, bei 21% keine wesentliche Veränderung, Verschlechterung/neuer Kopfschmerz stellte sich bei 9% der Patienten ein. Zusätzlich wurde im gesamten Studienkollektiv eine signifikante Abnahme von Allodynie-Symptomen, der Depressivität und der „State“-Angst der Patienten festgestellt.

Prädiktoren einer mangelnden postoperativen Besserung waren eine Migräne als Kopfschmerzform, ein präoperativ schwererer Kopfschmerz und eine größere Angst als Persönlichkeitsmerkmal („Trait“-Angst) sowie ein Stent-unterstütztes Aneurysma-Coiling. Aneurysma-Größe und -Lokalisation spielten ebenso wenig eine Rolle wie die initiale Kopfschmerzhäufigkeit. JL

?! Dass zwei Drittel der Patienten im Follow-up-Zeitraum von sechs Monaten mit einer Reduktion des Kopfschmerzes reagierten, spricht – außer vielleicht in wenigen Fällen eines „Warnkopfschmerzes“ – nicht unbedingt für eine kausale Beziehung zwischen Aneurysma und Kopfschmerz. Andere Faktoren und nicht zuletzt ein Plazebo-Effekt könnten zu dem Erfolg beigetragen haben. Ungeachtet dessen kann Patienten vor der Operation eines Aneurysmas begründet Hoffnung auf eine Kopfschmerzbesserung gemacht werden. Weniger als einer von zehn Patienten profitiert nicht.
Quelle: Schwedt TJ et al.:: Headache outcomes following treatment of unruptured intracranial aneurysms: a prospective analysis., Zeitschrift: CEPHALALGIA, Ausgabe 31 (2011), Seiten: 1082-1089

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