RLS in der Schwangerschaft | Neuro-Depesche 6/2016

Niedrige Hämoglobin-Werte erhöhen das Risiko

Um klinische und andere RLS-assoziierte Merkmale zu erfassen, wurden 600 schwangere Frauen in einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie türkischer Neurologen und Gynäkologen gezielt befragt. Die Ärzte suchten insbesondere nach klinisch relevanten Risikofaktoren für das Auftreten eines RLS und dessen Schwere.

600 Schwangere (im durchschnittlichen Alter von knapp 27 Jahren) in Ankara wurden gebeten, ein umfangreiches, detailliertes Questionnaire mit 20 Fragen auszufüllen. Es beinhaltete unter anderem demographische und medizinische/ gynäkologische Merkmale sowie die körperliche Aktivität, Nikotin- und Alkoholkonsum, außerdem die Zufuhr von Vitaminen, Magnesium, Kalzium und Folsäure sowie komorbide Erkrankungen der Frauen.
Nach den IRRLSG-Kriterien litten 302 Frauen unter einem RLS, die übrigen 298 bildeten die Kontrollgruppe. Die Patientinnen wiesen einen signifikant niedrigeren sozioökonomischen und Bildungsstand auf und lebten häufiger in einer Großfamilie. Sie nahmen seltener Eisen zu sich (aber häufiger Kalzium und Magnesium) als die Teilnehmer der Kontrollgruppe und litten vermehrt unter einem Hypothyreoidismus.
Die Hämoglobin-Spiegel lagen im Durchschnitt bei 11,1 vs. 12,4 mg/dl (p < 0,001). Niedrige Spiegel (<11 mg/dl), die 151 (50,3%) der Patienten vs. 13 (7,9%) der Kontrollen aufwiesen (p < 0,001), schienen unabhängig von anderen Faktoren das Risiko für ein RLS in der Schwangerschaft signifikant zu erhöhen (Odds Ratio für hohe Spiegel: 0,11). Dies traf auch auf das Leben in einer Großfamilie (OR: 4,4) und einen niedrigen Bildungsstand (OR: 1,85) zu. Eine Eisensubstitution verringerte offenbar das RLS-Risiko (OR: 0,041). Entgegen anderen Studien fand sich keine RLS-Häufung bei Multipara und im dritten Trimester.
Die Analyse der Receiver Operating Curve (ROC) ergab, dass niedrige Hämoglobin-Spiegel in dem Kollektiv ein diskriminativer Faktor für das Vorliegen eines RLS war, der optimale Cutoff- Wert betrug 10,65 mg/dl.
69 Patientinnen litten unter einem leichten, 131 unter einem mittelschweren und 102 unter einem schweren RLS. Die Symptomschwere ging mit zunehmender Eisensubstitution zurück und erhöhten sich mit zunehmender Magnesium- Aufnahme. Die Regressionsanalyse ergab, dass niedrige Hämoglobin-Spiegel (OR: 8,358) und eine geringe Eisenaufnahme (OR bei hoher Zufuhr: 0,049) – beide in der Gruppe mit schwerem RLS deutlich häufiger – auch unabhängige Risikofaktoren für die RLS-Schwere waren. JL

Kommentar

Dieser Studie zufolge deuten insbesondere niedrige Hämoglobin-Spiegel schwangerer Frauen auf ein hohes RLS-Risiko hin. Und offenbar kann eine Eisensubstitution vor einem RLS in der Schwangerschaft schützen.


Quelle:

Ozer I et al.: A prospective case control questionnaire study for restless leg syndrome on 600 pregnant women. J Matern Fetal Neonatal Med 2016; 1-16 [Epub 28. März; doi: 10.3109/14767058.2016.1170801]

ICD-Codes: G25.81

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.