Generalisierter konvulsiver Status epilepticus | Neuro-Depesche 11/2015

Nicht mit der Zweitlinientherapie zögern

Zertifizierte Fortbildung

Finnische Neurologen untersuchten in einer retrospektiven Analyse, welche Faktoren für die schnelle bzw. verzögerte Beendigung eines generalisierten konvulsiven Status epilepticus (GCSE) ausschlaggebend sind. Besonders wichtig ist offenbar der schnelle Wechsel auf die Zweitlinientherapie.

Konsekutiv waren in einer Klinik 70 GCSE-Patienten im Alter über 16 Jahren zwei Jahre lang behandelt worden. Eine Status-Beendigung war in drei Stufen definiert: a) Freiheit klinischer Anfallszeichen, b) das Erreichen eines Burst-Suppression- Musters im EEG und c) die Wiedererlangung des Bewusstseins. Die Intervalle bis zum Eintreten dieser drei Endpunkte ergaben das quantitative Maß für die Verzögerung der SE-Beendigung. Außerdem wurden zahlreiche andere Parameter auf ihren prognostischen Wert untersucht.
Die Verzögerungen bis zum Wiedererlangen des Bewusstseins als unzweifelhaftestes Zeichen des SE-Endes korrelierte jeweils signifikant mit dem Intervall bis zur Gabe der Zweitlinientherapie, wie z. B. Fosphenytoin (p = 0,027), bis zum Auftauchen einer Burst-Suppression (p = 0,005) und bis zur klinischen Anfallsfreiheit (p = 0,035).
Interessanterweise bestanden darüber hinaus zwischen der Beendigung des GCSE und weiteren Faktoren keine signifikanten Korrelationen: weder mit dem Alter der Patienten noch dem Epilepsie-Typ, der Schwere des SE nach dem Status Epilepticus Severity Score (STESS), etwaigen Anfällen in der 48-h-Periode vor dem SE, der Art des SE-Beginns oder den Effekten der Erstlinienmedikation.
Nachdem das Kriterium der klinischen Anfallsfreiheit sehr unzuverlässig ist (da der Status im EEG bei bis knapp der Hälfte der Patienten fortbesteht), schlagen die Autoren vor, vermehrt die Burst-Depression als Marker für das SE-Ende einzusetzen. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Zeitliche Verzögerungen im medikamentösen Behandlungsablauf, insbesondere längere Intervalle bis zum Einsatz der Zweitlinientherapie, scheinen einen stärkeren Einfluss auf den Erfolg der GCSE-Beendigung zu haben als zahlreiche andere „etablierte“ Outcome-Prädiktoren, z. B. schlechtere Ergebnisse bei höherem Alter. Die Vermeidung von zu langen Wartezeiten im gestuften Schema scheint der effektivste Weg zu sein, die SE-Behandlung zu verbessern.

Quelle:

Kämppi L et al.: Delays and factors related to cessation of generalized convulsive status epilepticus. Epilepsy Res Treat 2015; 591279 [Epub 10. Aug.;doi: 10.1155/2015/591279]

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?