hATTR-Biomarker Neurofilament light chain

Neuro-Depesche 3/2020

NfL korrelieren mit Neuropathie-Schwere

Zertifizierte Fortbildung
Die Konzentrationen des Neurofilament light chain (NfL) werden bei neuroinflammatorischen bzw. degenerativen Erkrankungen wie MS oder Demenz auf ihre Eignung als Biomarker geprüft. Jetzt wies ein britisch-schwedisches Neurologen-Team nach, dass die NfL-Plasmawerte bei Patienten mit hereditärer Transthyretin-Amyloidose (hATTR) erhöht sind und sogar mit der Schwere der Neuropathie-Beschwerden korrelieren.
Bestimmt wurde die NfL-Konzentration im Plasma (pNfL) bei 73 Patienten mit pathogenen TTR-Mutationen (V30M: n = 41, T60A: n = 9, S77Y: n = 20, andere: n = 3) und 16 gesunden Kontrollen. Die Patienten befanden sich im Durchschnittsalter von 56,7 Jahren.
Gegenüber den 16 gesunden Kontrollen wiesen die 73 hATTR-Patienten mit durchschnittlich 15,5 (11,6 – 19,3) versus 58,1 (45,1 – 71,0) pg/ml deutlich (und ohne Überschneidungen der Werte-Spannen!) erhöhte pNfL-Konzentrationen auf (p < 0,001).
Bei 26 der 73 Patienten war die Neuropathie- Schwere mittels Neuropathie Impairment Score (NIS) und/oder Charcot- Marie-Tooth Examination Score modifiziert nach Rasch (CMTES-R) bestimmt worden. Unter ihnen litten 20 (Durchschnittsalter 65,8 Jahre) unter neuropathischen Beschwerden. In dieser Subgruppe fielen die pNfL-Konzentrationen mit durchschnittlich 68,4 (35,1 - 101,8) pg/ml noch einmal höher aus als in der Gesamtkohorte. Dagegen unterschieden sich die sechs neurologisch asymptomatischen Patienten der Subgruppe in ihren pNfL-Werten nicht signifikant von der Kontrollgruppe Gesunder (p = 0,41).
 
Korrelationen mit NIS und CMTES-R
NIS und CMTES-R waren eng miteinander korreliert (p < 0,05), doch in der multiplen Regressionsanalyse war nur die mittels NIS gemessene Schwere der Neuropathie ein signifikanter Prädiktor für erhöhte pNfL-Konzentrationen (p = 0,006), nicht aber der CMTES-R (p = 0,057). Ebenfalls ohne signifikanten Einfluss war das Alter der Teilnehmer (p = 0,94). In der anschließenden Spearman-Rank-Analyse fand sich eine signifikante positive Korrelation sowohl zwischen pNfL und NIS (p < 0,0001) als auch zwischen pNfL und CMTES-R (p < 0,0001). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Die jüngste Entwicklung hochwirksamer Gen-Silencing-Therapien (Antisense- Oligonucleotide und RNAi) erhöht die Notwendigkeit zuverlässiger Biomarker für die Krankheitsaktivität bei hATTRPatienten. Sie könnten bei der Entscheidung helfen, wann eine Behandlung begonnen bzw. beendet werden soll. Ob sich die unspezifischen, den Axonschaden bei zahlreichen Krankheiten anzeigenden NfL-Konzentrationen im Plasma dazu wirklich eignen, wie diese Studie nahelegt, müssen größere Längsschnitt-Studien zeigen. Ebenfalls mit ermutigenden Resultaten geprüft wird derzeit die Aussagekraft der intraepidermalen Nervenfaserdichte (IENFD) und der konfokalen In-vivo- Laser-Scanning-Mikroskopie (IVCM) der Hornhaut.
Quelle: Kapoor M et al.: Plasma neurofilament light chain concentration is increased and correlates with the severity of neuropathy in hereditary transthyretin amyloidosis. J Peripher Nerv Syst 2019; 24(4): 314-9
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