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MRT-Studie: Warum sind Migräne-Patienten auf Schmerzen fixiert?

Patienten mit einer Migräne reagieren überempfindlich und hypervigilant auf Schmerzreize. Dass bei ihnen offenbar ein direkter Zusammenhang zwischen der Schmerzschwelle und der – mittels T1-gewichteter MRT-Scans – bestimmten kortikalen Dicke in bestimmten Hirnregionen besteht, berichtete Todd Schwedt, Phoenix/USA beim AAN-Kongress 2015 aus einer Bildgebungsstudie. Die 31 erwachsenen, langjährig erkrankten Migräne-Patienten hatten gegenüber den 32 gesunden Kontrollen in der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) eine deutlich verringerte Schwelle für Wärme-Schmerzreize. Diese Hyperalgesie korrelierte signifikant positiv mit der Kortex-Dicke links- und rechtseitig in oberen Temporal- und unteren Parietalregionen (p < 0,01). Diese Strukturen sind Schwedt zufolge an der Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzsensationen beteiligt. Bei den Gesunden bestand dagegen davon abweichend eine negative Korrelation zwischen Schmerzschwellen und Kortex-Dicken in diesen Regionen. Der positive Zusammenhang bei den Patienten könnte das Substrat für die klinisch auffällige pathologische Schmerzverarbeitung sein: Demnach liegt es nicht an einem mangelnden Willen, die Betroffenen scheinen tatsächlich ihre Aufmerksamkeit schlechter vom Schmerz abziehen und auf andere Dinge richten zu können. Dabei dürfte es sich nicht unbedingt um eine reine Folge der wiederholten Kopfschmerzattacken handeln, sondern möglicherweise um eine der Migräne intrinsische Hirnveränderung. Nicht zuletzt ließe sich aus den MRT-Befunden möglicherweise ein objektiver Biomarker für die Migräne entwickeln. JL

Quelle:

[PL1.001] Todd Schwedt, Catherine Chong: Adults with Migraine Have Atypical Correlations between Brain Cortical Thickness and Pain Thresholds. Contemporary Clinical Issues Plenary Session, 22. April 2015 im Rahmen des 67. AAN-Kongresses in Washington DC/USA

ICD-Codes: G43.9

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