MAGNIMS-Studiengruppe | Neuro-Depesche 3/2016

MRT-Kriterien für die MS-Diagnose

Die MRT-Befunde stehen immer stärker im Zentrum der (frühen) MS-Diagnose, die Kriterien nach McDonald (2001) wurden in den letzten Jahren mehrmals verfeinert. Die MAGNIMS-Studiengruppe hat nun auf einem Workshop in Mailand Konsensus-Guidelines zu den aktuellen MRT-Kriterien veröffentlicht.

Hier aus der umfangreichen und detaillierten Arbeit kurzgefasst einige der wesentlichen Empfehlungen aus der Synopsis (EK: Expertenkonsens, EB: Evidenz-Basierung).

  • Für den Nachweis einer periventrikulären Beteiligung an der räumlichen Dissemination (räuml. Diss.) sind ≥ 3 Läsionen erforderlich. (EK)
  • Zu den Kriterien für eine räuml. Diss. sollte eine MS-Läsion im Sehnerv als zusätzliche ZNSRegion hinzugefügt werden. (EK)
  • Zur Erweiterung des Konzepts juxtakortikaler Läsionen für die Kriterien einer räuml. Diss. wird empfohlen, den kombinierten Begriff „kortikal/juxtakortikal“ zu verwenden. Dabei sollten alle Typen kortikaler MS-Läsionen sowie die Beteiligung der kortexnahen weißen Substanz berücksichtigt werden. Falls verfügbar, sollten zur Darstellung kortikaler Läsionen auch fortgeschrittene MRT-Sequenzen verwendet werden. (EK)
  • Für die Feststellung einer räuml. oder zeitl. Diss. bedarf es keiner Unterscheidung zwischen symptomatischen und asymptomatischen MRTLäsionen. (EB)
  • Für die Feststellung einer räuml. Diss. wird die Darstellung des gesamten Rückenmarks (RM) empfohlen; besonders, wenn die Läsionslast im Gehirn unterhalb der Schwelle für eine räuml. Diss. bleibt. Für die zeitl. Diss. spielt die RM-Bildgebung nur eine begrenzte Rolle. (EB)
  • Für die Feststellung einer räuml. Diss. sollten für die primär progressive MS (PPMS) und die schubförmig beginnende MS identische Kriterien angewendet werden (EK); bei klinisch unklarer PPMS sollten die Liquorbefunde berücksichtigt werden. (EB)
  • Bei Kindern > 11 Jahren mit klinischem Bild, das nicht einer akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM) entspricht, sollten die gleichen MRT-Kriterien für die räuml. und zeitl. Diss. gelten wie bei Erwachsenen. (EB)
  • Die MRT-Kriterien können gleichermaßen für MS-Patienten aus Asien, Lateinamerika, Europa und Nordamerika gelten (sofern Erkrankungen aus dem Neuromyelitis-optica-Spektrum sorgfältig ausgeschlossen wurden). (EB)
  • Die MRT-Kriterien einer räuml. und zeitl. Diss. zur MS-Diagnose sollten auch in der Untersuchung von Patienten mit radiologisch isoliertem Syndrom (RIS) zur Anwendung kommen. Tritt bei RIS-Personen (definitionsgemäß mit räuml. Diss.) ein klinischer Schub mit Hinweisen auf eine zeitl. Diss. auf, kann eine MSDiagnose gestellt werden. (EK)

Die Experten stellen u. a. weiter fest:

  • Die MRT-Kriterien einer zeitl. Diss. können unverändert bleiben. Gegenwärtig ist die Evidenz unzureichend, die MS-Diagnose durch hoch- oder ultrahochauflösende MRT-Geräte früher zu stellen. Die Experten weisen u. a. darauf hin, dass die FDA Sicherheitshinweise zu den Langzeiteffekten wiederholter MRT-Untersuchungen mit Gadolinium (Gd) veröffentlicht hat, da es bei einigen Patienten offenbar zu Gd-Ablagerungen im Gehirn gekommen ist. JL

Quelle:

Filippi M et al.: MRI criteria for the diagnosis of multiple sclerosis: MAGNIMS consensus guidelines. Lancet Neurol 2016; pii: S1474-4422(15)00393-2 [Epub: 25. Jan.; doi: 10.1016/S1474- 4422(15)00393-2]

ICD-Codes: G35

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