Therapierefraktäre Schizophrenie | Neuro-Depesche 11-12/17

Mortalität unter Clozapin halbiert?

Zertifizierte Fortbildung

Die Schizophrenie geht aus vielen Gründen mit einer massiv erhöhten Sterblichkeit einher. Wie sich die Mortalität bei Patienten mit behandlungsrefraktärer Schizophrenie unter einer Therapie mit dem Reserve-Atypikum Clozapin darstellt, wurde nun von dänischen Psychiatern in einer großen bevölkerungsbasierten Kohorte untersucht.

An der Uni Aarhus wurden 2370 Personen mit therapierefraktärer Schizophrenie rekrutiert, die nach dem Einschluss 1996 bis max. 2013 nachbeobachtet wurden. In dieser Kohorte hatten 1372 Patienten (58%) eine Therapie mit Clozapin erhalten (median drei Behandlungsperioden über median je zehn Monate). Insgesamt waren im Follow-up-Zeitraum von bis zu 17 Jahren 158 Patienten (6,7%) verstorben. Adjustiert auf soziodemographische und klinische Kovariablen war die Gesamtmortalität bei den nicht mit Clozapin-behandelten Patienten der Cox-Regressionsanalyse zufolge um 88% höher als bei den Clozapin-behandelten (Hazard Ratio: 1,88; 95%-KI: 1,16– 3,05). Diese Risikoerhöhung war vor allem getrieben durch die Vergleichszeiträume ohne antipsychotische Therapie (HR: 2,50, 95%-KI: 1,50–4,17), während die Gesamtsterblichkeit in Phasen der Behandlung mit anderen Antipsychotika (als Clozapin) bzw. mit anderen Antipsychotika-Monotherapien nur nicht-signifikant erhöht war (HR: 1,45, 95%-KI: 0,86– 2,45 bzw. HR: 1,75; 95%-KI: 0,87–3,50). Eine Exzessmortalität ergab sich in dieser Kohorte im Jahr nach dem Absetzen von Clozapin (HR: 2,65; 95%-KI: 1,47–4,78). Wurde Clozapin ausschließlich mit Depotantipsychotika verglichen, war das adjustierte Mortalitätsrisiko ausgeglichener (HR: 1,28; 95%-KI: 0,72–2,26). Bei den nicht mit Clozapin-Behandelten waren vor allem die Risiken für Suizide (HR: 1,74; 95%-KI: 0,59–5,12) und Tod durch Krankheiten (HR: 1,41; 95%-KI: 0,80–2,49) erhöht. JL



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die Autoren betonen, dass Clozapin wegen der Sicherheitsbedenken (v. a. Agranulozytose) und des Monitoring-Aufwands vermutlich zu selten eingesetzt wird, und dass deutlich mehr Patienten profitieren könnten.

Quelle:

Wimberley T et al.: Mortality and self-harm in association ... Am J Psychiatry 2017; appiajp201716091097 [Epub 28. Juli; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16091097]

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