Angstzustände und Depressionen

Neuro-Depesche 7-8/2021

Mehr Online-Verhaltenstherapien in der Pandemie – wie sind die Erfolgsraten?

Schätzungen deuten darauf hin, dass die Prävalenz von Schlafstörungen, Angsterkrankungen, Depressionen und anderen psychischen Störungen mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie zugenommen hat. Gleichzeitig waren persönliche Arzt-Patienten-Kontakte zeitweise nur sehr eingeschränkt möglich. In einer australischen Studie wurde jetzt in einer großen Kohorte von mehr als 6.000 Patienten untersucht, ob eine kognitive Online-Verhaltenstherapie (iCBT) bei Angstzuständen und depressiven Symptomen in Pandemie-Zeiten eine sinnvolle Alternative darstellt.
In die Auswertung flossen die Daten von 6.132 Erwachsenen ein, die eine iCBT vor Ausbruch der Pandemie (11. März 2019 – 11. März 2020; n = 1.058) oder danach (12. März 2020 – 31. Juli 2020; n = 5.074) begonnen hatten.
Die Behandlung bestand aus sechs aufeinander aufbauenden Online-Einheiten. In den Sitzungen mit einem Mindestabstand von fünf Tagen sollten die Teilnehmer die zuvor erlernten Fähigkeiten durch praktische Übungen festigen.
Der Erfolg der Intervention wurde mittels verschiedener Instrumente beurteilt, darunter der Patient Health Questionnaire 9 (PHQ-9), die Skala Generalized Anxiety Disorder-7 (GAD-7) und die Kessler Psychological Distress Scale (K-10).
 
Mehr als fünfmal so viele Anmeldungen wie im Vorjahr
Mit Beginn der Pandemie stieg die Anzahl der monatlichen Anmeldungen zur iCBT um 504 %: Während sich im Vorjahr im Mittel 189 Teilnehmer pro Monat registriert hatten, waren es zwischen März und Juli 2020 im Mittel 1.142. Allerdings schlossen in der vorangegangenen Periode erheblich mehr Teilnehmer die Online-Therapie komplett ab (34,6 % vs. 21,5 %).
 
Einbußen bei der Wirksamkeit?
Dessen ungeachtet führte die Intervention zu beiden Zeiträumen zu einer deutlichen Symptomreduktion. In der Gruppe, die die iCBT vor der Pandemie abgeschlossen hatte, erfuhren 44,3 % der Patienten eine Verbesserung im GAD-7 und 39,3 % im PHQ-9; während der Pandemie war dies bei 36,1 % und 34,4 % der Fall. Erfuhren vor der Pandemie 2,5 % bzw. 2,7 % eine Verschlechterung der PHQ-9- bzw. GAD-7-Scores, war dies danach nur bei je 1,3 % der Fall.
Nach Hedges’ g zeigte die iCBT eine hohe bis sehr hohe Effektstärke. Dies betraf sowohl die Angst (0,94 bis 1,18) als auch die depressiven Symptome (0,92 bis 1,12) und den Stress nach K-10-Skala (1,08 bis 1,35). JL
Kommentar
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine kognitive Online-Verhaltenstherapie von Patienten mit Angstzuständen und/oder Depressionen gut angenommen wird und ein sehr effektives Therapieinstrument sein kann. Sie kann besonders in Fällen, in denen kein persönlicher Kontakt möglich ist, empfohlen werden. Die Aussagekraft ist allerdings durch das Fehlen einer Kontrollgruppe und einer Langzeitbeobachtung etwas limitiert.
Quelle: Mahoney M et al.: The uptake and effectiveness of online cognitive behaviour therapy for symptoms of anxiety and depression during COVID-19. J Affect Disord 2021; 292: 197-203 [Epub 4. Juni; doi: 10.1016/j.jad.2021.05.116]
ICD-Codes: F32.9
Urheberrecht: AdobeStock_391208845
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x