Therapie des chronischen Schmerzes

Neuro-Depesche 10/2020

Lindert Neurofeedback die Beschwerden?

Für viele Menschen mit chronischen Schmerzen bieten die verfügbaren Behandlungen keine ausreichende Linderung. Inwieweit die verschiedenen Methoden des Neurofeedback (NFB) die Beschwerden maßgeblich bessern können, wurde jetzt in einer systematischen Übersicht und Metaanalyse zu ganz verschiedenen Schmerzformen geprüft.
Die Datenbankabfrage mit den Strings „Neurofeedback“ OR „EEG-Biofeedback“ OR „fMRI-Biofeedback“ AND „Schmerz“/ „Chronischer Schmerz“ ergab 21 Studien: Sieben randomisierte oder nicht randomisierte kontrollierte Studien (RCT/NRCT) und 14 Fallserien. In 18 Studien war ein EEG-NFB, in drei ein fMRT-NFB eingesetzt worden. Zumeist hatten 20 – 40 überwachte Sitzungen mit einer Dauer von 30 – 45 min. stattgefunden.
Eine Schmerzreduktion ergab sich in einem qualitativ hochwertigen RCT, in fünf von sechs RCTs mit geringerer Qualität/ NRCTs und in 13 von 14 Fallserien. Die Schmerzreduktion lag zwischen 6 % und 82 %. Dabei wurde in zehn Studien eine klinisch relevante Schmerzreduktion um > 30 % erzielt. In sieben Studien mit Follow- up hielten die Effekte über drei bis sechs Monate an.
 
Gepoolte Effektgröße
Die gepoolte Gesamteffektgröße der NFB in den sechs RCTs erwies sich als mittelgradig (Cohen‘s d: -0,76; 95 %-KI: -1,31 bis -0,20). Allerdings wiesen die Studien eine sehr hohe Heterogenität auf (I2: 73 %).
In einigen der 16 Studien mit Angaben zu sekundären Effekten wurden auch Verbesserungen von Depression, Angst, Müdigkeit und Schlaf beobachtet.
Häufige Nebenwirkungen des NFB waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Schläfrigkeit. Diese führten aber nur in einer einzigen Studie zur Beendigung der Therapie: Fünf Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma brachen das NFB wegen Übelkeit und Kopfschmerz-Verstärkung ab. JL
Kommentar
Neurofeedback ist ein neuromodulatorischer Ansatz, mit dem die Schwere von Schmerzen und schmerzbedingten Symptomen wie Schlafstörungen, Stimmungsveränderungen, Angstzustände bei einer Reihe chronischer Schmerzzustände verringert werden kann. Es hat das Potenzial, bei Patienten, die gegenüber Medikamenten therapierefraktär bleiben oder deren Nebenwirkungen nicht tolerieren, zu einem erfolgreichen integrierten Management beizutragen. Die Technik sollte in randomisierten kontrollierten Doppelblindstudien geprüft werden, an denen es derzeit noch sehr mangelt.
Quelle: Patel K et al.: Effects of neurofeedback in the management of chronic pain: A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Eur J Pain 2020 [Epub 5. Juni; doi: 10.1002/ejp.1612]
ICD-Codes: R52.2
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