Second-line-Therapie des Status epilepticus | Neuro-Depesche 11-12/2019

Levetiracetam wirksamer als Phenytoin?

Bei Kindern wird für einen Status epilepticus (SE) auch nach dem US-amerikanischen Advanced pediatric live support (APLS)* eine First-line-Therapie mit Benzodiazepinen empfohlen. Nun wurde in einer offenen, randomisierten kontrollierten Studie in Pakistan untersucht, ob Levetiracetam als Second-line-Therapie möglicherweise wirksamer und verträglicher ist als das alte Antiepileptikum Phenytoin.
In die Studie wurden 600 Kinder mit einem SE eingeschlossen, die konsekutiv über einen Zeitraum von 4,5 Jahren (Januar 2014 bis Juni 2018) in der Notaufnahme des Kinderkrankenhauses im pakistanischen Multan behandelt wurden. Alle hatten auf die Gabe von zweimal 0,2 mg/kg KG Diazepam i. v. im Abstand von 5 Min. (maximal 10 mg) nicht ausreichend angesprochen.
Nach Randomisierung erhielten 300 Kinder 40 mg/kg KG i. v. Levetiracetam (LEV) und 300 i. v. 20mg/kg KG Phenytoin (PHT). Ihr Lebensalter war mit 3,5 bzw. 3,4 Jahren fast identisch, ebenso wie ihre vorherige durchschnittliche SE-Dauer (25,1 vs. 23,8 Minuten).
Die LEV-Behandlung war mit einer SEBeendigung 30 Min. nach der ersten Injektion (als primärer Endpunkt) bei 92,7 % der Patienten signifikant häufiger erfolgreich als die PHT-Gabe mit 83,3 % (p = 0,012).
In der Nebenwirkungsinzidenz als sekundärer Endpunkt ließ sich rein statistisch kein signifikanter Unterschied feststellen (p = 0,122). Allerdings wurden in der PHT-Gruppe als unerwünschte Ereignisse (UE) bei sechs Kindern (2,0 %) eine Atemdepression und bei zweien (0,7 %) eine Kreislaufdepression beobachtet, aber kein UE in der LEV-Gruppe. Schwere UE traten in keinem Studienarm auf. HL

Kommentar

Diese pakistanische Studie zeigt bei der Beendigung eines refraktären SE eine signifikante Überlegenheit von Levetiractem gegenüber Phenytoin - bei zumindest nicht schlechterer Verträglichkeit. Es muss angemerkt werden, dass eine im Mai 2019 im Lancet veröffentlichte australische Studie mit beiden Medikamenten zu einem anderen Ergebnis kam: In der ebenfalls offenen, randomisierten Studie ConSEPT (n = 233) war das Sistieren der klinischen SE-Aktivität 5 Min. nach Abschluss der Infusion nicht signifikant unterschiedlich (LEV: 50 % vs. PHT 60 %p = 0,16). Die Autoren konstatieren für LEV als Second-line-Therapie des SE dementsprechend eine Nicht-Überlegenheit.
Quelle: Noureen N et al.: Clinical efficacy and safety of injectable levetiracetam versus phenytoin as secondline therapy in the management of generalized convulsive status epilepticus in children: An Open-Label Randomized Controlled Trial. J Clin Neurol 2019; 15(4): 468–72]

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