ADHS-Therapie bei Erwachsenen

Neuro-Depesche 3/2020

Langzeitwirksamkeit nutzen, Unfälle vermeiden

Bei Erwachsenen wird eine ADHS immer noch zu selten leitliniengerecht therapiert. Wie Experten auf einem Satellitensymposium von Medice auf dem DGPPN-Kongress in Berlin schilderten, belegen die Langzeitauswertung der COMPAS-Studie und Versorgungsdaten der deutschen IDEA-Kohorte, dass Methylphenidat bei Erwachsenen mit ADHS langfristig effektiv ist. Ein weiterer Fokus lag auf dem Unfallrisiko bei ADHS.
In der deutschen Studie COMPAS (Comparison of Methylphenidate and Psychotherapy in Adult ADHD Study) mit 433 erwachsenen ADHS-Patienten war MPH Placebo in der Kontrolle der ADHS-Kernsymptome über drei und zwölf Monate signifikant überlegen. Jetzt zeigt das 2,5-Jahres-Follow-up, dass der Unterschied langfristig erhalten blieb, schilderte Prof. Wolfgang Retz, Mainz, unabhängig davon, ob sie nach Studienende weiter MPH eingenommen hatten oder nicht. „Die deutlichste Symptomreduktion fand sich bei den Patienten, die von Baseline an mit MPH behandelt wurden und die bei Studienende in Woche 130 weiterhin MPH einnahmen“, betonte Retz in Berlin.
Dass MPH auch im Real life bei Patienten mit zahlreichen Komorbiditäten sehr effektiv ist, belegt die Beobachtungsstudie IDEA an 468 erwachsenen ADHS-Patienten. Unter einer durchschnittlichen MPHDosis von 35,8 mg/d war nach durchschnittlich 3,3 Monaten der Anteil an Patienten, die vom Arzt nach Clinical Global Impression (CGI) als deutlich, schwer oder extrem schwer krank beurteilt wurden, von rund zwei Drittel auf etwa ein Viertel zurückgegangen.
Dass ADHS-Patienten jeden Alters ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko aufweisen, berichtete Prof. Sarah Kittel-Schneider, Würzburg. Aus der Studie PRADA (Prevalence of ADHD in Accident Victims) berichtete sie, dass die ADHS-Prävalenz unter 905 Unfallopfern 6,2 % bzw. 8,3 % (ASRS-SF bzw. ASRS) betrug. Damit ist die ADHSPrävalenz „bei Unfallopfern etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung“, betonte die Expertin. Interessanterweise war die ADHS zuvor nur bei 0,7 % der Betroffenen diagnostiziert worden – unter diesen hatte nur jeder Dritte ein Stimulans erhalten. Sie hält bei wiederholten Unfällen ein Screening für bedenkenswert. Epidemiologische Studien legen nahe, dass eine adäquate ADHS-Therapie mit Stimulanzien das Unfallrisiko maßgeblich verringern kann. JL
Quelle: Satellitensymposium: „ADHS im Erwachsenenalter: Neue Daten – neue Situation“. DGPPN, Berlin, 28. Nov. 2019
ICD-Codes: F90.0
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