„Late life“ Minor Depression

Neuro-Depesche 5-6/2018

Kortikale Veränderungen nachweisbar?

Zertifizierte Fortbildung
Bei Patienten mit langjährig bestehender Major Depression werden zahlreiche Veränderungen regionaler Hirnvolumina festgestellt. Leipziger Neurologen und Psychiater nahmen sich nun der – in klinischen Studien unterrepräsentierten – Minor Depression an. Sie untersuchten bei alten bis sehr alten Patienten die Dichte der grauen Substanz und die Kortexdicke.
Ausgewertet wurden die 3-Tesla-MRT-Aufnahmen von 38 Teilnehmern der LIFEAdult- Studie mit einer nach DSM-IV-Kriterien diagnostizierten Minor Depression-Episode (MinD) und 80 gesunden Kontrollen. Sie waren zwischen 60 und 79, durchschnittlich ca. 70 Jahren alt. Alle waren kognitiv unbeeinträchtigt.
Die Bildgebung umfasste drei Methoden: eine Voxel-basierte Morphometrie (VBM) sowie – ausgehend von Metaanalysen zur Major Depression – eine Region-of-interest (ROI)-Analyse der Dichte der Grauen Substanz (GM) und der Dicke der Kortizes.
Erwartet wurden u. a. Verringerungen der GM-Dichte in den Kortizes des anterioren Zingulum (ACC), des Hippokampus, der Amygdala und im rechten dorsomedialen Frontalkortex (DMFC) in der VBM. Vermutet wurden ferner GM-Volumen-Reduktionen in der ROI in elf Regionen, darunter der linken Insula, des Temporalpols, des Gyrus frontalis inferior und temporalis superior. Eine verringerte Kortexdichte wurde auch angenommen u. a. bilateral im medialen Orbitofrontalkortex, im Gyrus fusiformis, in der Insula, im posterioren Zingulum, im mittleren Temporallappen.
Gegenüber den Kontrollen fanden sich bei den MinD-Patienten verschiedene Volumenund Dichte-Abweichungen der GM in der VBM (bilateraler Gyrus praecentralis, rechter oberer Gyrus frontalis und linker Thalamus), die aber nach Mehrfachadjustierung auf diverse Faktoren alle die Signifikanz verloren. Die Messungen der Kortexdichte in den elf ROI’s ergaben ebenso wenig signifikante Unterschiede zwischen den Patienten und den Kontrollen wie die Bestimmungen der Kortexdicke.
Nicht einmal die wiederholten Analysen in nach Alter, Geschlecht, Depressionsanamnese und anderen Merkmalen stratifizierten Patienten- Subgruppen ergaben signifikante Abweichungen gegenüber den Kontrollen. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Eine Minor Depression betrifft etwa 10% der älteren Bevölkerung. Ihre Diagnose nach DSM-IV erfordert zwei bis vier über mindestens zwei Wochen anhaltende depressive Symptome und die Abwesenheit einer Major Depression in der Anamnese. Obwohl die Symptomatik definitionsgemäß subklinisch ist, kann sie sich gerade bei älteren Menschen sehr unvorteilhaft auf die Lebensführung (Aktivitäten, soziale Kontakte etc.) auswirken. Dass die Pathophysiologie weitgehend unklar ist, könnte ebenso wie die hier ergebnislosen MRT-Befunde darauf hindeuten, dass die unter MinD subsummierten Patienten ganz verschiedene Endophänotypen darstellen.
Quelle: Polyakova M et al.: No changes in gray matter density or ... J Clin Psychiatry 2018: 79(2): pii; 17l11604 [Epub: doi: 10.4088/JCP.17l11604]
ICD-Codes: F32.1
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