ADHS und gestörte Exekutivfunktionen | Neuro-Depesche 3/2017

Kortexdicke und Gyrierung als Substrat?

ADHS und kognitive Probleme haben wohl eine gemeinsame Ätiologie. In einer großen populationsbasierten Studie untersuchte ein niederländisches Team, ob eine veränderte kortikale Morphologie das gemeinsame neurobiologische Substrat sein könnte.

Bei 776 schulpflichtigen Kindern wurden die Assoziationen zwischen ADHS-Symptomen, verschiedenen Kognitionsdomänen und Kortexdicke/Gyrierung geprüft.
Die ADHS korrelierte signifikant mit einem geringeren IQ (ß = -0,16, p < 0,001), auch nach Adjustierung auf Kovariablen wie Geschlecht, Nationalität, Gestationsalter, Geburtsgewicht, Psychostimulanzien etc. (ß = -0,09, p = 0,022). Unter den einzelnen kognitiven Domänen ergab sich nach Adjustierung auf den IQ nur eine signifikante Assoziation zwischen ADHS und den Exekutivfunktionen (EF; ß = -0,11, p = 0,004).
Im Weiteren wurden fünf Cluster identifiziert, in denen mehr ADHS-Symptome mit einer geringeren kortikalen Dicke einhergingen. Dies betraf die linke kaudale Mitte des Gyrus frontalis (ß = -0,14, p < 0,001) sowie jeweils rechtsseitig den Gyrus postcentralis (ß = -0,22, p < 0,001), den lateralen Gyrus occipitalis (ß = -0,19, p < 0,001), den superioren Gyrus temporalis (ß = -0,16, p < 0,001) und dem gesamten Gyrus occipitalis (ß = -0,15, p < 0,001).
Zudem fanden sich drei große Cluster, in denen mehr ADHS-Symptome mit einer geringeren Gyrierung einhergingen: In der linken bzw. rechten Hemisphäre betraf dies frontale, temporale und parietale Regionen (ß = -0,14, p < 0,001 bzw. ß = -0,13, p = 0,001). Der dritte Cluster war im linken superioren parietalen/ postzentralen Gyrus lokalisiert (ß = -0,11, p < 0,006). Für die Gyrierung ergaben sich Assoziationen sowohl zur ADHS als auch zur EF. Diese Befunde erklärten teilweise die Beziehung zwischen der ADHS und den EF (bindirekt = -0,008, 95%-KI: -0,018 bis -0,001). GS

Kommentar

Als gemeinsame neurobiologische Basis für ADHS und Exekutivfunktionen wurden eine geringerer Kortexdicke und Gyrierung identifiziert. Zur Klärung der zeitlichen Beziehungen bedarf es aber Längsschnittstudien.

Quelle:

Mous SE et al.: Cortical morphology as a shared neurobiological substrate of attention-deficit/hyperactivity symptoms and executive ... J Psychiatry Neurosci 2016 [Epub 27.09.2016; doi 10.1503/jpn.150371]

ICD-Codes: F90.0

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