Italienische Kohortenstudie ATENA

Neuro-Depesche 11-12/2020

Kopfschmerztherapie in der Schwangerschaft

Kopfschmerzen können sich in der Schwangerschaft verbessern, aber auch verschlimmern oder auch neu auftreten. Die dagegen eingesetzten Medikamente gehen teilweise mit fetalen Risiken einher. In der retrospektiven Kohortenstudie ATENA wurde untersucht, wie sich die Kopfschmerztherapie in diesem Spannungsfeld verändert.
Von 100 Frauen, die schwanger waren oder gerade entbunden hatten, gaben 87 (87 %) Kopfschmerzen im letzten Jahr vor der Schwangerschaft an, doch nur 20 hatten damals eine Diagnose erhalten: Acht Migräne ohne und sieben mit Aura sowie drei Spannungskopfschmerz und zwei „andere“ Kopfschmerzen. 76 (88 %) hatten Medikamente eingenommen.
 
Umdenken bei der Medikation
Insgesamt 71 Frauen (71 %) berichteten Kopfschmerzattacken in mindestens einem Trimemon. 62 Frauen im ersten, 44 im zweiten und 43 im dritten Trimester. Starke und sehr starke Attacken waren in ihrer Häufigkeit von 24 % auf 16 % bzw. von 19 % auf 7 % zurückgegangen.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum änderte sich das Verhalten in mehrer Hinsicht. Neben Alkohol- und Niktotin-Karenz erkundigten sich jetzt mehr Frauen über die Sicherheit der Arzneimittel (44 % vs. 36 %). Der Anteil an Frauen mit Kopfschmerzmedikamenten- Einnahme sank von 88 % (76/87 vor der Gravidität) auf 52 % (37/71 der Kopfschmerz-geplagten Schwangeren).
Auch die Akutmedikation veränderte sich: So sank der Anteil eingesetzter NSAID wie Ibuprofen, Ketoprofen, Aspirin etc. massiv von 68 % (52/76) auf 5 % (2/37), während die Paracetamol-Anwendung steil von 33 % (25/76) auf 95 % (35/37) anstieg. Der geringe Anteil an Triptane- Einnahme blieb mit 3 % (2/76 bzw. 1/37) gleich. Präventiv eingesetzt wurden u. a. Magnesium und Homöopathie von 7 % der Frauen (6/87) vor und von 11 % (8/ 71) in der Gravidität. HL
Kommentar
Viele Schwangere hatten keine Kopfschmerzdiagnose. Die Gravidität bewegte sie zur Suche nach Informationen über die ( fötale) Arzneimittelsicherheit und veränderte die Medikation weg von NSAID hin zu Paracetamol. Ärzte und auch. Gynäkologen sollten die Kopfschmerztherapie aktiv ansprechen.
Quelle: Lupi C et al.: Medicines for headache before and during pregnancy: a retrospective cohort study (ATENA study). Neurol Sci 2020 [Epub 23. Sep.; doi: 10.1007/s10072-020-04702-0] PMID: 32968869
ICD-Codes: R51
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