Neuro-Depesche 4/2018

Nach einer Kopfverletzung

Kopfschmerzrisiko fast verdoppelt

Nach Kopfverletzungen sind Kopfschmerzen das häufigste Akutsymptom. In der Nord-Trøndelag Health Study (HUNT) wurde jetzt überprüft, ob die Inzidenz eines erstmaligen Kopfschmerzes bzw. die Wahrscheinlichkeit für eine Exazerbation in den Jahren nach der Kopfverletzung erhöht ist. Die norwegischen Forscher fanden eine deutliche Risikosteigerung.

In der populationsbasierten Kohortenstudie HUNT wurden mind. 20 Jahre alte Norweger/ innen im Abstand von elf Jahren (HUNT2: 1995–1997 bzw. HUNT3: 2006–2008) zu Kopfschmerzen befragt. Deren Prävalenz betrug 43,9% bzw. 41,7%, davon zu 24,3% in beiden Erhebungswellen. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt etwa 47–48 Jahre alt. Die Daten wurden dann abgeglichen mit den stationären Krankenhausbehandlungen wegen einer Kopfverletzung.
294 HUNT-Teilnehmer waren aufgrund einer – nach der Head Injury Severity Scale (HISS) zumeist leichten bis moderaten – Kopfverletzung (Stürze: 55,1%; Verkehrsunfälle: 28,6%) stationär behandelt worden.
Gegenüber der Kontrollgruppe der 25 662 zu keinem Erhebungszeitpunkt stationär aufgenommenen Personen (Referenz) ergaben sich für die Kopfverletzungsgruppe in der multivariaten Auswertung folgende Risiken: Adjustiert auf Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Rauchen, Alkoholkonsum, Angst und Depression (nach Hospital Anxiety and Depression Scale, HADS) war die Wahrscheinlichkeit für einen erstmaligen Kopfschmerz um 74% erhöht (Odds Ratio: 1,74), die für die Exazerbation eines früheren Kopfschmerzes sogar um 93% (OR: 1,93). Die um 70% (OR: 1,70) erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen zu beiden Zeitpunkten vorhandenen Kopfschmerz bedeutet, dass sich die Kopfverletzung negativ auf eine Kopfschmerzbesserung auswirkte.
Keines der erhobenen Patientenmerkmale hatte auf den Zusammenhang einen signifikanten Einfluss, wenngleich das Kopfschmerzrisiko nach Kopfverletzung bei den Männern höher zu sein scheint als bei den Frauen. HL

Kommentar

Auch schon leichte Kopfverletzungen können das Kopfschmerzrisiko in den nächsten Jahren gegenüber der Bevölkerung deutlich erhöhen. Kopfverletzten sollte geraten werden, sich bei anhaltenden Kopfschmerzen an einen Arzt zu wenden. Das Intervall zwischen Trauma und Kopfschmerz wurde in dieser Studie nicht erfasst. Dies ist insofern wichtig, als ein Abstand von ≤ 7 Tagen in der International Classification of Headache Disorders (ICHD-3) ein Kriterium für die Diagnose eines (persistierenden) posttraumatischen Kopfschmerzes ist.


Quelle:

Nordhaug LH et al.: Headache following head injury: a population-based longitudinal cohort study (HUNT). J Headache Pain 2018;19(1): 8 [Epub 22. Jan.; doi: 10.1186/s10194-018-0838-2]



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