Diabetes und Angsterkrankungen | Neuro-Depesche 11/2018

Komorbidität wirkt sich auf die Kognition aus

Anhaltend hohe Läsionslast und vor allem die Hirnatrophie gehen bei MS-Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen einher. Ob sich auch komorbide körperliche und psychische Erkrankungen auf die Kognition auswirken, untersuchte jetzt die Comorbidity and Cognition in Multiple Sclerosis (CCOMS) Study Group.

An der Studie nahmen 111 MS-Patienten (83,5% RRMS, 82,9% Frauen) im durschnittlichen Alter von 49,6 Jahren teil. Die Komorbidität umfasste Bluthochdruck (22,7%) und Diabetes (9,9%) sowie eine gegenwärtige Major Depression (10,8%) und Angststörung (9,9%).
Die Kognition wurde anhand mehrerer Instrumente erfasst: Symbol Digit Modalities Test (SDMT), California Verbal Learning Test (CVLT-II), Brief Visuospatial Memory Test-Revised (BVMT-R) und ein Test zur Wortflüssigkeit. Außerdem wurde die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) eingesetzt. Alle Scores wurden zu alters-, geschlechts- und bildungsadjustierten z-Scores konvertiert.
Für die Kognition betrugen die durchschnittlichen initialen z-Scores im SDMT -0,66, im CVLT-II -0,43, im BVMT-R -0,49 und in der Wortflüssigkeit -0,59.
Adjustiert auf komorbide depressive und Angsterkrankungen, Psychopharmaka-, immunmodulierende MS-Medikamente, Nikotinkonsum und Body Mass Index ergaben sich signifikante Korrelationen mit der globalen Kognition für einen Diabetes (p = 0,02) und für Angsterkrankungen (p = 0,02).
Im Einzelnen ging ein Diabetes einher mit einem niedrigen z-Score im BVMT-R (b = -1,18, p = 0,0015) und in der Wortflüssigkeit (b = -0,63, p = 0,037). Angststörungen zeigten einen Zusammenhang mit schlechteren SDMT-z-Scores (b = -1,07, p = 0,0074) und relevante Angstsymptome (HADS-A-Werte ≥ 11) standen in signifikanter Beziehung zu niedrigeren z-Scores des SDMT und des CVLT-II.
Allerdings bestanden zwischen den identifizierten Faktoren untereinander keine signifikanten Beziehungen. HL

Kommentar

Die bei 40% bis 70% der MS-Patienten im Verlauf vorhandenen kognitiven Beeinträchtigungen tragen neben Fatigue und Dpression maßgeblich zur Frühberentung bei. Auch wenn jüngst gezeigt wurde, dass einige hochwirksame Therapien auch die kognitiven Leistungen, z. B. nach dem SDMT, bessern können, fehlen bislang MS-Medikamente mit einem durchschlagenden Effekt. Jetzt gilt es zu prüfen, ob die Behandlung von Diabtetes und Angsterkrankungen sich auch positiv auf die Kognition auswirkt.


Quelle:

Marrie RA et al. für die CCOMS Study Group: Diabetes and anxiety adversely affect cognition in multiple sclerosis. Mult Scler Relat Disord 2018; 27: 164-70

ICD-Codes: G35

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