Borderline-Persönlichkeitsstörung | Neuro-Depesche 1/2016

Kognitive Rehabilitation kann psychosoziale Funktionen bessern

Follow-up-Studien zufolge weisen viele Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) trotz einer klinischen Remission weiterhin psychosoziale Funktionsdefizite auf. In Spanien wurden jetzt in einer randomisierten kontrollierten Studie die Effekte eines speziellen kognitiven Rehabilitionsprogramms auf die psychosozialen Funktionen geprüft. Die Ergebnisse sind zwar positiv, aber ...

70 ambulant behandelte Patienten (74% weiblich) mit BPD nach DSM-IV-TR-Kriterien mit beeinträchtigtem kognitivem Funktionsniveau (Global Assessment Functioning [GAF] Score < 65) wurden zu zwei Armen randomisiert: Die kognitive Rehabilitation (KR) bestand aus zwei Gruppensitzungen á 120 Min. pro Woche über 16 Wochen (Schulung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, exekutive Funktionen etc.). Verglichen wurden die Effekte mit denen einer klassischen Psychoedukation (PE) mit einer 120-Min.-Sitzung pro Woche als Kontrollgruppe – einmal direkt nach Ende der Intervention und einmal im Follow up nach sechs Monaten.
Ein hoher Anteil von 16 bzw. 12 Patienten (44% bzw. 35%) brach die Behandlung ab. In den Werten des Functioning Assessment Scale Test (FAST) mit 24 Items als Primärparameter ergab sich direkt nach Ende der Interventionen in keiner Gruppe eine signifikante Veränderung: Die FAST-Scores sanken leicht von 37,86 auf 36,86 bzw. von 42,94 auf 38,01. Doch offenbar hatte die KR Langzeiteffekte: Eine post-hoc-Analyse ergab, dass sie das psychosoziale Funktionsniveau nach sechs Monaten verbessert hatte (FASTScore- Abnahme auf 29,55; p = 0,018), nicht aber die PE (Abnahme auf 35,61; n.s.).
Dabei hatten sich in den einzelnen neuropsychologischen Tests allerdings keine signifikanten positiven Veränderungen feststellen lassen. In der PE-Gruppe hatten Angst und depressive Symptome signifikant abgenommen, die Aufmerksamkeitsleistung hatte sich verbessert. JL

Kommentar

Die als vorläufig anzusehenden Ergebnisse dieser Studie sind durchaus widersprüchlich, zudem ist die Drop-out-Rate sehr hoch. Als positive Botschaft ist zu vermerken, dass sich die psychosozialen Funktionen von Patienten deutlichen bessern können.


Quelle:

Pascual JC et al.: Efficacy of cognitive rehabilitation on psychosocial functioning in Borderline Personality Disorder: a randomized controlled trial. BMC Psychiatry 2015; 15: 255 [Epub 21. Okt.; doi: 10.1186/s12888-015-0640-5]

ICD-Codes: F60.31

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