Patienten mit MS

Neuro-Depesche 1/2011

Kognitive Defizite bei rund einem Drittel

Kognitive Beeinträchtigungen gehören neben den klassischen körperlichen Behinderungen mit bis zu 65% der Patienten zu den häufigsten Symptomen der Multiplen Sklerose. Nun standen Inzidenz und Progression kognitiver Defizite und die Zusammenhänge mit klinischen und MRT-Befunden im MIttelpunkt einer kontrollierten Studie aus Italien.

In die Longitudinal-Studie wurden 49 therapienaive Patienten mit einer schubförmigen remittierenden MS (RRMS) aufgenommen. Zum Zeitpunkt der Rekrutierung begannen sie eine Therapie mit Interferon beta (IFNβ)-1b. Als Vergleich dienten 56 gesunden Kontrollen.

Alle Teilnehmer wurden im Laufe von drei Jahren in drei Sitzungen mit mehreren einschlägigen neuropsychologischen Tests (Rao's Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Tests; BRB-N) und MRT-Scans untersucht. Bestimmt wurden die Volumina der Läsionen in der T2-gewichteten MRT, die Anzahl der Gadolinum-anreichernden Läsionen sowie die Atrophie des Gesamthirns. Am Ende des Follow up nach drei Jahren waren acht Patienten und zwei Kontrollen ausgeschieden.

Die Patienten waren zwischen 28 und 46 Jahre alt, hatten zu Studienbeginn eine MS-Dauer von 1,2 bis 4,6 Jahren und wiesen eine relativ leichte Behinderung auf (1,0 bis 2,5 EDSS-Punkte). Anfänglich lagen bei 15 Patienten (30,6%) beeinträchtigte kognitive Funktionen vor, nach 18 Monaten betrug der Anteil 17 von 44 (38,6%) und nach drei Jahren 18 von 41 Patienten (43,9%). Eine Erhöhung des EDSS-Scores war dagegen lediglich bei drei Patienten zu verzeichnen. Für die Kognitions-Verschlechterung über drei Jahre hatte nur das initiale Vorhandensein kognitiver Einschränkungen eine signfikante Vorhersagekraft (p = 0,03). Unter den MRT-Befunden zeigten nur die T2-Läsionen einen schwachen bis mittelgradigen Bezug zu den neuropsychologischen Testresultaten.

Fazit: Bei etwa einem Drittel neu erkrankten RRMS-Patienten ist innerhalb von drei Jahren ein Abbau der kognitiven Fähigkeiten zu erwarten, prädiziert wird dieser anscheinend nur durch eine schon zu Beginn beeinträchtigte Kognition. GS

Kommentar
?! Auch in frühen MS-Stadien sollte die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten bestimmt werden. Ein sensitives, MS-geeignetes Instrument dazu ist die BRB-N (Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Tests). Sie besteht aus fünf Subtests, die eine zuverlässige Erfassung kognitiver Kerndefizite bei MS ermöglichen: verbales (SRT) und visuell-räumliches Kurz- und Langzeitgedächtnis, semantische Wortflüssigkeit, exekutive Funktionen, geteilte Aufmerksamkeit/Flexibilität, Arbeitsgedächtnis und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (Paced Auditory Serial Addition Test, PASAT). Einschränkend für den alltäglichen Einsatz wirkt sich die lange Testdauer von 30 bis 40 Minuten aus.
Quelle: Amato MP: Relevance of cognitive deterioration in early relapsing-remitting MS: a 3-year follow-up study, Zeitschrift: MULTIPLE SCLEROSIS, Ausgabe 16 (2010), Seiten: 1474-82
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