Fehldiagnosen im Behandlungsalltag | Neuro-Depesche 5-6/2020

Keine MS-Diagnose ohne NMOSD-Ausschluss

Obwohl Tests auf Antikörper gegen AQP4 und MOG hilfreich sind, sollte angesichts der zahlreichen Symptomüberlappungen vor jeder MS-Diagnose regelhaft ein Screening auf eine NMOSD erfolgen. Wie häufig diese als MS fehldiagnostiziert wird, zeigt eine kleine US-amerikanische Studie auf.
In einer Kohorte von 319.994 Krankenversicherten mit einer MS-Diagnose wurde nach Überprüfung bei 2.001 (0,62 %) eine NMOSD diagnostiziert. Geschlecht und Alter unterschieden sich zwischen den richtig und falsch diagnostizierten Patienten nicht wesentlich. Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, wurde eine klinische Kohorte von MS-/NMOSD-Patienten der Klinik in Kentucky ausgewertet. Hier ergab sich anhand später durchgeführter AQP4- und MOG-Antikörper-Tests mit 7,4 % (vier von 54 Patienten) eine deutlich höhere Rate an NMOSD-Fällen, bei denen zunächst fälschlich eine MS diagnostiziert worden war.
Die Autoren ziehen das Fazit, dass die klinischen Symptome und die klassischen MRT-Befunde sowie die Anwendung der McDonald- bzw. Wingerchuk-Kriterien eine MS im Behandungsalltag nicht sicher von einer NMOSD diskrimineren. Zudem weisen etwa 15 % der NMOSD-Patienten keine AQP4-Antikörper auf – und Tests können schließlich auch falsch-negativ sein.
Sie empfehlen, zur Differenzialdiagnose der beiden Erkrankungen sowie auch von Optikusneuritis, transverser Myelitis und diverser Hirnstammsyndrome dringend spezielle Richtlinien zu erarbeiten. AQP4-Tests könnten auch bei vermeintlich typischer MS durchaus sinnvoll sein. HL
Quelle: Avasarala J et al.: Can a diagnosis of multiple sclerosis be made without ruling out neuromyelitis optica spectrum disorder? Mult Scler Relat Disord 2020; 40: 101949 [Epub 15. Jan.; doi: 10.1016/j.msard.2020.101949]
ICD-Codes: G35

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