Neuro-Depesche 6/2003

Erweiterte Infektionshypothese

Kann Multiple Sklerose durch Sex übertragen werden?

Viele Befunde sprechen dafür, dass die Entstehung der Multiplen Sklerose durch Umweltfaktoren getriggert wird. Aus einer gezielten Literaturrecherche wurde nun der Schluss gezogen, bei der MS könne es sich um eine sexuell übertragbare Krankheit handeln.

Basis der These bilden Migrationsstudien, die überwiegend die Mitte des letzten Jahrhunderts betreffen. So wurde z. B. auf den Orkney- und Shetland-Inseln sowie in Island nach Zuwanderung junger Menschen bzw. Stationierung von Truppen ein Anstieg der MS-Inzidenz festgestellt. Ein weiteres Indiz, so die These, könnte die Ähnlichkeit der klinischen Bilder einer MS und der tropischen spastischen Paraplegie sein, einer durch das Retrovirus HTLV-1 verursachten und häufig durch Geschlechtsverkehr übertragenen Infektionskrankheit. Etwa 95% der infizierten Personen bleiben asymptomatisch, bei den übrigen kommt es zu MS-ähnlichen Symptomen. Die "Ansteckung mit MS" soll meist kurz nach der Pubertät erfolgen, wenn es zu ersten sexuellen Kontakten kommt, abhängig von einer genetisch bedingten Vulnerabilität bleiben die meisten Infizierten aber asymptomatisch. Studienresultate weisen darauf hin, dass Frauen unter oraler Kontrazeption eine erhöhte MS-Inzidenz aufweisen. In den westlichen Ländern stiegen die Erkrankungsraten bei Frauen nach Einführung der Pille und "sexueller Revolution" an. Umgekehrt finden sich in allen Gesellschaften mit strengem Moralkodex auffallend niedrige MS-Inzidenzen. Über das infektiöse Agens werden keine weiteren Angaben gemacht, nicht-infektiöse Ursachen aber explizit nicht ausgeschlossen. (bk)


Quelle: Stewart, GJ: Infection and multiple sclerosis -- a new hypothesis?, Zeitschrift: JOURNAL OF NEUROLOGY, NEUROSURGERY AND PSYCHIATRY, Ausgabe 73 (2002), Seiten: 358-359: , Zeitschrift: , Ausgabe ()


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