Morbus Parkinson | Neuro-Depesche 7/2018

Körperliches Training fördert die Kognition

Immer mehr Studien belegen, dass ein körperliches Training neben der Motorik auch die Kognition von Parkinson-Patienten verbessern kann. In einer Metaanalyse gingen brasilianische Wissenschaftler dieser Thematik nach.

Neun randomisierte, kontrollierte Studien, die sich mit den Effekten verschiedener Bewegungsprogramme auf die Kognition von Parkinson-Patienten befassten, wurden ausgewählt (Teilnahmerzahl 17–39). Das durchschnittliche Alter in den Interventions- bzw. Kon-trollgruppen (ohne Training) lag bei 59 bis 71,2 bzw. 60,6 bis 74,4 Jahren.
Die seit durchschnittlich 4,7 bis 11,2 Jahren am Morbus Parkinson Erkrankten befanden sich in einem leicht bis moderat ausgeprägten Stadium (Hoehn & Yahr: 1,7–2). Die Trainingsprogramme wie Laufband, Ergometer, Dehn- und Kräftigungsübungen (mit und ohne Wii-Fit-Trainingsprogramm), Tai Chi und Tanzen (Tango) variierten in Länge, Anzahl und Dauer der einzelnen Sitzungen. Jede Einheit wurde mindestens zwei- bis dreimal pro Woche über 40 bis 90 Minuten durchgeführt.
Für das kognitive Screening wurde in sieben Studien der Mini-Mental-State-Test (MMST) herangezogen. Die am häufigsten bestimmten kognitiven Domänen waren exekutive Funktionen, globale Kognition, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache und Kognition, bestimmt mittels Montreal Cognitive Assessment (MoCA, n = 4), Trail Making Test (TMT, n = 3) und dem Parkinson‘s Disease Questionnaire-39 (PDQ-39, n = 2).
Die Metaanalyse ergab, dass körperliche Aktivität die kognitiven Funktionen generell erhält oder sogar verbessert − mit signifikantem Unterschied zu den Kontrollen. Dies betraf Tango, Dehn- und Kräftigungsübungen (mit begleitendem Wii-Fit-Übungsprogramm) sowie das Laufbandtraining (vor allem in intensiver Form: 24 Wochen lang dreimal wöchentliches Gehen mit einer vom Patienten bevorzugten Geschwindigkeit). Eine kleine Effektgröße (Cohen‘s d) der Trainingsprogramme ergab sich für globale Kognition nach MoCA (0,07 bzw. 0,19), Verarbeitungsgeschwindigkeit und anhaltende Aufmerksamkeit nach TMT (jeweils 0,03) sowie geistige Flexibilität nach TMT (0,42). Ein stärkerer Effekt fand sich für die Kognition nach PDQ-39 (1,30). Außerdem wurde in zwei Studien ein kleiner Effekt auf die MoCA-Werte im Follow-up nach zwei und drei Monaten (0,33 bzw. 0,37) festgestellt. GS

Kommentar

Trotz der positiven Ergebnisse für das Laufbandtraining sagt die Metaanalyse nicht aus, dass genau diese Trainingsmethode für die Parkinson-Patienten am besten geeignet ist. Viele Fragen, beispielsweise über optimale Trainigsart, -menge und -intensität zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten kann auch diese Metaanalyse nicht beantworten. Hierzu werden − wie so oft − größere, gut konzipierte Studien benötigt.


Quelle:

Cascaes da Silva F et al.: Effects of physical exercise programs on cognitive function ... PLoS ONE 2018; 13(2): e0193113 [Epub 27. Feb.;doi.org/10.1371/journal.pone.0193113]

ICD-Codes: G20

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